Berzdorfer See

Der Berzdorfer See ist ein gefluteter Braunkohletagebau mit einer Tiefe von 70m und etwa 950ha Wasserfläche. Er ist ein interessantes Gebiet zur Beobachtung von Wasservögeln aber auch von Offenlandarten.

Lage
Der Berzdorfer See liegt am Südrand von Görlitz an der Bundesstraße 99 und der Bahnstrecke Görlitz-Zittau. Er ist sehr gut touristisch erschlossen und kann auf einem 18km langen Uferweg umwandert oder mit dem Rad umfahren werden. Das Ost- und Südufer kann man an mehreren Stellen mit dem Auto anfahren.

Geschichtliches
Der Berzdorfer See ist ein Tagebaurestloch und wurde bis Januar 2013 mit Neißewasser geflutet. Gegenwärtig läuft der Ausbau der touristischen Infrastruktur weiter und der See wurd zunehmenhd als Naherholungsgebiet genutzt.
Am Westufer im Bereich der Rutschung unterhalb von Jauernick-Buschbach wurde ein Naturschutzgebiet ("Rutschung P") ausgewiesen.

Avifauna
Brutvögel
In den offenen Randbereichen des Sees brüten Braun-, Schwarz-, und Blaukehlchen. Heidelerche, Brachpieper, Grauammer und Steinschmätzer brüten auf den Flächen mit hohem Offenbodenanteil im Uferbereich und auf den aufgeschütteten Terassen. In den bereits mehr verbuschten Bereichen sind Neuntöter und Sperbergrasmücke zu Hause. Der Wechsel von offenen und stärker zugewachsenen Bereichen erzeugt auch Lebensraum für das selten gewordene Rebhuhn. Auch Wiedehöpfe werden regelmäßig beobachtet.
In durch die Flutung des Tagebaues im Wasser stehenden Bäumen brüten im Westteil des Sees Kormorane. Auf dem Ponton des Neißeeinleiters befindet sich eine kleine Lachmöwenkolonie in der auch Flußseeschwalben versuchen zu brüten. Für diese Arten sollen in Zusammenarbeit mit der LMBV neue Brutmöglichkeiten durch Inseln oder Flöße geschaffen werden. Bereits in den Sommermonaten sammeln sich etliche Dutzend Gänsesäger mit ihren flüggen Jungen am See. Zu der Zeit steigt die Zahl der Haubentaucher auf mehrere Hundert. Regelmäßig sind auch Rot- und Schwarzhalstaucher unter ihnen.

Gäste
Der See bleibt länger eisfrei als die meisten Stillgewässer der weiteren Umgebung und ist dann ein Sammelpunkt für überwinternde Wasservögel. Unter den Saat- und Bleßgänsen sind gelegentlich Weißwangengänse und Rothalsgänse. Neben Gänse-, und Zwergsäger werden in jedem Winter Mittelsäger beobachtet.
In den Wintermonaten übernachten einige hundert Großmöwen (Steppen-, Mittelmeer-, Silbermöwe) auf dem See.

Parkplätze (P) und Aussichtspunkte (AP) am Berzdorfer See
Beobachtungspunkte

Beobachtungsmöglichkeiten
Der Berzdorfer See kann an vielen Stellen angefahren werden. Besonders komfortabel geht das auf der Ost- und Südseite des Sees. Hier existieren mehrere Parkplätze und gut ausgebaute Fußwege zum See. Der günstigste Beobachtungspunkt variert in Abhängigkeit von den Licht- und Windbedingungen. Durch die Größe des Sees ist es auch meistens sinnvoll an mehreren Stellen die Wasserfläche abzusuchen. Um den See führt ein 18km langer asphaltierter Rundweg (Rad- und Fußweg) der sich zur Beobachtung sehr gut eignet. Gute etwas erhöhte Beobachtungspunkte, die mit einem Spektiv einen Überblick über die anwesenden Wasservögel erlauben, befinden sich bei Klein-Neundorf, Jauernick-Buschbach, Deutsch-Ossig und dem Wasserschloß Tauchritz.

Die Fachgruppe Ornithologie Görlitz führt die Wasservogelzählungen und ein Monitoring zum Brutbestand am Berzdorfer See durch. Dadurch wird die Entwicklung der Artenvielfalt dokumentiert und es können Vorschläge zum Erhalt der Populationen von (nach Anhang I der Vogelschutzrichtlinie) geschützten Vogelarten unterbreitet werden. So wird auch nach Möglichkeiten gesucht die wertvollen Offenflächen insbesondere am Westufer dauerhaft zu erhalten. Beobachtungen nimmt gerne formlos Markus Ritz entgegen. Es können natürlich auch die von der 2011 ins Leben gerufenen Planbeobachtergruppe Berzdorfer See verwendeten Formulare genutzt werden (siehe nachfolgende downloads). Die von der Gruppe verwendeten Ortsbezeichnungen sind auch in ornitho.de hinterlegt.

Download des Beobachtungsformulars und der Karte mit Bezeichnung der Buchten

BerzdorferSeeBuchten121214.jpg (78,3 kB)

BerzdorferSee_JJMMTT_Name.xls (534,5 kB)

Brutvogelmonitoring am Westufer

Reviere der fünf nachgewiesenen Arten des Anhang 1 der Vogelschutzrichtlinie auf den Hangterassen am Westufer des Berzdorfer See 2011
Reviere gefährdeter Vogelarten
Aufgrund von etlichen Nachweisen sehr seltener und gefährdeter Arten auf den Offenlandflächen am Westufer des Sees wurde 2011 ein Brutvogelmonitoring auf zwei Flächen mit insgesamt ca. 100ha gestartet. Diese Ersterfassung ergab eine Brutpaardichte von fast 100 Paaren gefährdeter Arten / 100ha und unterstreicht den hohen naturschutzfachlichen Wert der Flächen. Die Ergebnisse der Ersterfassung sind in "Berichte der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz" veröffentlicht. Eine Karte mit den Revieren der fünf "Europaarten" (Anhang 1 der Vogelschutzrichtlinie) ist unten zu sehen. Das Monitoring wird fortgeführt und wurde 2012 auch auf die oberen (westlichen) Terrassen bei Klein-Neundorf ausgedehnt.

Mit den verschiedenen Akteuren vor Ort (Stadt Görlitz, Gemeinde Markersdorf, Planungsverband Berzdorfer See, Investoren, Bürgern) wird nach Lösungen gesucht, die hohe Wertigkeit der Flächen zu erhalten und eine schonende touristische Nutzung zu ermöglichen.

Zur Information ist nachfolgend das Positionspapier der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz zur Entwicklung am Berzdorfer See angehängt.

Fachliche Begleitung von Aktivitäten am See

Die Fachgruppe Ornithologie Görlitz hat inzwischen umfangreiche Daten zum Vorkommen der Vögel auf und am Berzdorfer See gesammelt. Diese Daten werden regelmäßig für die naturschutzfachliche Bewertung verschiedener Vorhaben am See bereitgestellt. Dadurch können Artenschutzbelange berücksichtigt und geltendes Recht umgesetzt werden.

Seit Anfang 2017 läuft das Verfahren zur Feststellung der Fertigstellung (FdF) des Berzdorfer Sees. Es wird unter Federführung der Landesdirektion Dresden von der LMBV geleitet und regelt die Seenutzung nach der Übergabe des Berzdorfer Sees für den Allgemeingebrauch. Dabei wird auch gutachterlich ermittelt welche Einschränkungen der Seenutzung nötig sind, um der hohen Bedeutung des Sees als Wasservogelgebiet und faktisches "important bird area" gerecht zu werden.

Anfang Dezember 2017 erschienen in der SZ zwei Artikel, die viele falsche Aussagen enthalten. Die Richtigstellung von wesentlichen Punkte kann in dem nachfolgenden pdf nachgelesen werden.