Teichgebiet NSG Zschorna

Das Teichgebiet Zschornaer Teiche spielt besonders als Rastgebiet für Wasservögel eine wichtige Rolle. Zur Brutzeit ist/war die große Lachmöwenkolonie mit ca. 1500 Brutpaaren bemerkenswert.

Lage
Das Teichgebiet liegt etwa 25km nördlich von Dresden an der A13. Es kann über die Autobahnabfahrten "Thiendorf" (von Norden kommend) und "Radeburg" (von Süden kommend) erreicht werden.
Naturräumlich gehört das Gebiet zu den Königsbrück-Ruhlander Heiden, im Grenzbereich zur Großenhainer Pflege (im Westen). Das Teichgebiet liegt in der Aue des Dobrabaches auf etwa 143m ü. NN.

Geschichtliches
Bereits im Mittelalter wurde der sehr große Großteich angelegt. Seine jetztige Größe von 190ha erreichte er aber erst nach dem Umbau zum Speicherbecken 1933-1953. Das Teichgebiet wurde 1954 als NSG mit einer Größe von 315ha unter Schutz gestellt. Die Schutzgebietsfläche umfasst den Großteich (190ha), den Breiten Teich (45ha), die feuchten Wald- und Wiesenbereiche im Osten und Nordosten der Teiche sowie weitere Randgebiete. Das Gebiet wurde in die Liste der "Important Bird Areas" aufgenommen und gehört zum Europäischen Vogelschutzgebiet "Teiche bei Zschorna", welches 2006/07 mit einer Fläche von ca. 1500ha an die EU gemeldet wurde.

Avifauna

Brutvögel
Auf den Inseln im Südteil des Speicherbeckens brüteten bis 2013 rund 1500 BP Lachmöwe. Unter ihnen befanden sich auch regelmäßig mehrere Brutpaare Schwarzkopfmöwe (2008 keine Brut). Allerdings leiden die Möwen sehr stark unter der Prädation durch Raubsäuger (Waschbär). 2012 wurden nur sehr wenige Möwen flügge und 2014 wurde die Kolonie nicht wieder genutzt. 
Seit 2009 brüten auch zwei Paare der Nilgans erfolgreich im Gebiet.
Sporadisch wird die Knäkente als Brutvogel nachgewiesen. In den Randbereichen brüten Grauammer, Schwarzkehlchen und Neuntöter.
Kranich, See- und Fischadler kommen in der Umgebung vor und sind regelmäßig bei der Jagd anzutreffen.

Gäste
Im Herbst/Winter übernachten bis über 20.000 nordische Gänse auf dem Speicherbecken. Der Einflug/Abflug bei Sonnenuntergang/aufgang ist ein beeindruckendes Schauspiel. Unter den Saat- und Bleßgänsen können auch einzelne Kurzschnabel-, Weißwangen-, Rothalsgänse beobachtet werden.
Kormorane sind fast ganzjährig im Gebiet anzutreffen. Im Herbst übernachten bis zu 800 Exemplare am Ostufer des Breiten Teiches.
Bei Wasserstandsabsenkung sammeln sich zur Zugzeit am Nord- und Ostufer der Breiten Teiches Limikolen.

Im Teichgebiet wurden bereits alle Entenarten beobachtet. In den Wintermonaten können große Ansammlungen von Gänse- und Zwergsägern beobachtet werden.


Beobachtungsmöglichkeiten
Die besten Beobachtungsmöglichkeiten ergeben sich vom Fahrdamm zwischen dem Großteich und dem Breiten Teich. Aufgrund der großen Wasserflächen ist die Benutzung eines Spektives zu empfehlen. Der Beobachtungsstand in der SO-Ecke des Großteiches (am Ortseingang Zschorna) wurde im Dezember 2006 durch einen Sturm zerstört. Die Informationstafeln zum Gebiet an dieser Stelle sind erhalten geblieben. Gegenwärtig wird nach Möglichkeiten gesucht einen neuen Beobachtungsstand zu errichten.
Beste Beobachtungszeit: Zugzeit im Frühling und Herbst, im Herbst ist der Abflug/ die Ankunft der nordischen Gänse in der Dämmerung sehenswert.

Betreuung/Kontakt
Die NABU-Beobachtergruppe Zschorna mit gegenwärtig 10 Mitgliedern führt seit 1968 wöchentlich Zählungen der Avifauna durch und betreut das Gebiet naturschutzfachlich. Dazu gehört z.B. das jährliche Zurückschneiden des Gehölzaufwuchses auf den Inseln der Lachmöwenkolonie in Zusammenarbeit mit der NABU-Gruppe Großenhain. In regelmäßigen Gesprächen mit den Behörden werden Möglichkeiten gesucht den Wert des Gebietes auch für Brutvögel wieder zu steigern.

Interessante Beobachtungen im Gebiet oder Meldungen zu besonderen Vorkommnissen werden an
Markus Ritz erbeten. Alle wichtigen Ortsmarken im Gebiet sind in ornitho.de hinterlegt und Beobachtungen können komfortabel über dieses portal eingegeben werden. 

Literatur:
P. Humitzsch (1985) Probleme des Feuchtgebietsschutzes am Beispiel des Zschornaer Teichgebietes. Beiträge zur Vogelkunde Jena 31: 55-72

Auswertungen
Die Beobachtergruppe trifft sich mindestens 1x jährlich zur Auswertung der Ergebnisse. Es werden regelmäßig Berichte für die zuständigen Naturschutzbehörden verfasst. Auszüge eines Vortrages von Dr. Winfired Nachtigall auf der NABU-Tagung im Herbst 2014 und weitere Auswertungen können nachfolgend heruntergeladen werden.