Großer Garten Dresden

Das Gartendenkmal „Großer Garten“ ist ein barocker Landschaftspark, der sich südöstlich der Dresdner Altstadt auf einer Fläche von 147 ha erstreckt. Im Großen Garten Dresden sind zwar seltener Raritäten anzutreffen, aber durch seine Wasserflächen und die große Strukturvielfalt bietet er Lebensraum für eine erstaunlich vielfältige Avifauna. Charakteristische Brutvogelarten sind die Mandarinente (Aix galericulata), die Brautente (Aix sponsa), der Mittelspecht (Dendrocopos medius) und der Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes).

Lage
Im Zentrum von Dresden gelegen ist der Große Garten mit seiner Fläche von fast 2km² die grüne Lunge der Stadt. Der Park ist mit diversen öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut aus allen Richtungen erreichbar. Größere Parkplatzflächen befinden sich (außer Freitags) auf der Lingnerallee vor dem Hygienemuseum am Westrand des Parks.

Naturräumliche Ausstattung
Der Große Garten entstand auf einem alten Elblauf. Die Gewässer im Großen Garten, die eine Fläche von etwa 5 ha umfassen, sind fast ausschließlich Standgewässer, die vom Kaitzbach gespeist werden. Das Einzugsgebiet des Kaitzbaches liegt südwestlich von Dresden.

Da sich der Große Garten auf einer nahezu ebenen Fläche von 113 m bis 117 m über NN befindet, werden die Parkanlagen regelmäßig vom Kaitzbach überflutet. So stehen im Frühjahr durch die Schneeschmelze und bei starken Regenfällen sehr viele Gehölz- und Wiesenflächen über mehrere Tage unter Wasser. Selten wird nahezu die gesamte Parkfläche wie bei dem Hochwasser im August 2002 überflutet. Wechselfeuchte nährstoffreiche Lehmböden führten zur Ansiedlung von Hartholz-Auwäldern. Es bildeten sich Pflanzengesellschaften von Eichen (Quercus), Linden (Tilia) und Ulmen (Ulmus) mit vorwiegend Stieleiche (Quercus robur), Feldulme (Ulmus minor) und Flatterulme (Ulmus laevis). An trockenen Standorten entwickelten sich Eichen-Buchen-Wälder. Diese werden neben der Stieleiche und der Hainbuche (Carpinus betulus) von Winter-Linde (Tilia cordata) und seltener von Trauben-Eiche (Quercus petraea) und Wilder Vogel-Kirsche (Prunus avium) dominiert. Entlang von Gewässern befinden sich einige alte Schwarz-Erlen (Alnus glutinosa), besonders am Ufer des Kaitzbaches.

Früchtetragende Gehölze wie Holzapfel (Malus sylvestris), Wildbirne (Pyrus pyraster), Eberesche (Sorbus aucuparia), Wilde Vogelkirsche (Prunus avium), Eiben-Arten (Taxus spec.), Weißdorn-Arten (Crataegus spec.), Liguster-Arten (Ligustrum spec.), Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) und Gewöhnliche Schneebeere (Symphoricarpos albus) bieten ein breites Nahrungsspektrum.

Im Zusammenhang mit der Fasanenzucht ab 1715 wurden die Flächen im Großen Garten mit sehr viel Unterholz bepflanzt. Die ältesten Gehölze des Großen Gartens, Stiel-Eichen im Alter von bis zu 330 Jahren, gehen auf diese Zeit zurück. Auch nach den schweren Zerstörungen während des Siebenjährigen Krieges wurden viele Eichen gepflanzt.

Nach der Öffnung des Großen Garten 1814 für die Bevölkerung von Dresden wurde die Pflanzung von fremdländischen Gehölzen, besonders durch die Gründung einer Pflanzschule 1817/18 für Akklimatisierungsversuche exotischer Pflanzen, gefördert. Spätestens seit 1824 existierte auch eine Gehölzbaumschule, aus deren Zucht noch heute einige Bäume im Großen Garten vorhanden sind. Dieses Erscheinungsbild ist jedoch durch die starke Ausbreitung des Spitz-Ahorns (Acer platanoides) gefährdet. Die etwa 1600 Stiel-Eichen, die ein Alter von über 100 Jahren aufweisen, stellen u. a. die Grundlage für den Großen Garten als Gartendenkmal dar.

Geschichte der Parkanlage
Der Große Garten wurde um ein zentral gelegenes Gebäude, das Palais, von J. GEORG II. in den Jahren 1676 bis 1691 angelegt. Im Zusammenhang mit dem Bau des Palais wurde ein Kanalsystem eingerichtet, das dem heutigen Gewässersystem des Großen Gartens seine Grundform gibt.
Nach Plänen von J. F. KARCHER wurde der Park 1695 in einen barocken Garten umgestaltet. Es entstanden acht Kavaliershäuschen und der Palaisteich wurde angelegt. Bei der Umgestaltung des Großen Gartens wurde die Anlage mit einer Mauer versehen, die den Garten vollständig umschloss. Diese ermöglichte ab 1715 eine Fasanenzucht. 1760 -während des Siebenjährigen Krieges- und 1813 in einer Schlacht gegen Napoleon wurde der Park stark verwüstet. Daraufhin wurde die Mauer abgetragen, die Fasanenzucht eingestellt und der Park der Dresdner Bevölkerung öffentlich zugänglich gemacht. Im Jahre 1863 wurde im Westteil des Parks durch P. J. LENNÉ ein 13 ha großer Zoologischer Garten angelegt. Die zweite prägende Phase für die heutige Gestalt des Großen Gartens umfasst den Zeitraum von 1873 bis 1890. K. F. BOUCHÉ gestaltete den barocken Garten zu einem Landschaftspark um.
In der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 wurde der Große Garten durch die Alliierten Bombenangriffe beträchtlich zerstört. Viele Dresdner, die sich in jenen Tagen in den Großen Garten geflüchtet hatten, fanden dort ihren Tod. Alle Gebäude des Parks wurden stark beschädigt. Nach dem Krieg wurden einzelne Gebäude wieder aufgebaut und der Große Garten erhielt den Charakter eines Volks- bzw. Kulturparks. Während seiner über 320jährigen Geschichte wurde der Große Garten nie grundlegend verändert. Deshalb liegt dieser Park auch heute noch in seiner barocken Grundform vor. Daraus wird u. a. sein denkmalpflegerischer Wert abgeleitet.

Geschichte der ornithologischen Tätigkeit
Das Interesse an der Vogelwelt des Großen Gartens in Dresden besteht schon seit sehr langer Zeit. Die ersten ornithologischen Publikationen über diesen Stadtpark stammen aus dem Jahr 1885. In den „Jahresberichten der ornithologischen Beobachtungsstation im Königreich Sachsen“ werden zwischen 1885 und 1898 erstmals Beobachtungen aus dem Großen Garten erwähnt. Bis heute sind unzählige weitere Berichte verfasst und fünf Brutvogelkartierungen durch­geführt worden. Die letzte Erfassung fand zwischen 2002 und 2004 statt. Mehrere erfahrene und junge Ornithologen führten eine Rasterkartierung durch.
Bisher konnten 72 sichere, zwei wahrscheinliche und eine mögliche Brutvogelart im Großen Garten nachge­wiesen werden. Die Zahl der gegenwärtig brütenden Arten hat sich im Vergleich zum Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts leicht erhöht. Dies kann zwei Gründe haben. Einerseits wurden die Erfassungen in den letzten 15 Jahren höchst­wahrschein­lich mit einer größeren Genauigkeit und umfangreicher betrieben als bisher. So können die Nachweise von Teichhuhn (Gallinula chloropus), Habicht (Accipiter gentilis) und Mittelspecht als Brutvogel möglicherweise darauf zurück­geführt werden. Andererseits siedelten sich Kulturfolger wie Elster (Pica pica), Eichelhäher (Garrulus glandarius) und Aaskrähe (Corvus corone) sowie Neozoen wie Mandarinente und Brautente im Großen Garten an. Jedoch konnte für etliche Vogelarten kein Brutnachweis mehr erbracht werden. Dies betrifft u. a. Arten mit negativem regionalen bzw. überregionalen Trend (z.B. Steinkauz (Athene noctua) oder Türkentaube (Streptopelia decaocto)) oder Arten, die spezielle Ansprüche an ihr Bruthabitat stellen. Beispielsweise wurden durch die Sanierung des Palais Nistmöglichkeiten für Turmfalken (Falco tinnunculus) und Mauersegler (Apus apus) verschlossen, wodurch diese beiden Arten als Brutvögel aus dem Großen Garten verschwanden.
Seit 1993 gibt das Jugend-Öko-Haus jährlich die „Naturkundliche Jahresschrift Großer Garten“ heraus, die neben einem umfangreichen ornithologischen Jahresbericht auch andere interessante Abhandlungen über die Flora und Fauna dieses Parks enthält.

Avifauna
Seit 1885 konnten 158 Vogelarten im Großen Garten nachgewiesen werden. Regelmäßig brüten etwa 40 bis 50 Arten. Einen Überblick gibt die Tabelle die als pdf heruntergeladen werden kann. Nachfolgend soll etwas ausführlicher auf ausgewählte Arten eingegangen werden.

Brutvögel

Seit 2005 brütet der Höckerschwan (Cygnus olor) wieder auf dem Carolasee, denn diese Art prägte im 19. und 20. Jahrhundert das Bild des Großen Gartens beträchtlich. Auf dem Palaisteich befand sich ein Schwanenhaus, in dem ein Paar Parkschwäne brütete.

Die beiden Populationen der Neozoen Brautente und Mandarinente umfassen etwa vier bzw. zehn Brutpaare. Die ersten Junge führenden Weibchen können ab Mitte Mai beobachtet werden. Außerhalb der Brutzeit halten sich bis zu 100 Mandarinenten im Großen Garten auf.

Neben zwei Mäusebussardpaaren (Buteo buteo) brütet seit 2002 unregelmäßig der Habicht  im Großen Garten.

Aufgrund des großen Altbaumbestands im Park erreichen Bunt- (Dendrocopos major) und Grünspecht (Picus viridis) sehr hohe Siedlungsdichten. Hingegen brüten der Klein-  (Dendrocopos minor) und Mittelspecht (Dendrocopos medius) nur selten in der Nähe des Kanalnetzes. Während der Paarungszeit im März und April bestehen gute Möglichkeiten, balzende Mittelspechte zu beobachten.

Der Birkenzeisig (Carduelis flammea) ist seit 2005 ein seltener Brutvogel im Großen Garten. Jährlich konnten ein bis zwei Familien mit Jungen beobachtet werden. Ob diese tatsächlich alle im Großen Garten erbrütet wurden, ist allerdings unklar.

Neben dem Buchfink (Fringilla coelebs) ist der Kernbeißer ein ebenfalls häufiger Brutvogel, der von dem reichen Angebot an Samen- und Steinobstpflanzen profitiert. Während der Brutvogelkartierung zwischen 2002 und 2004 konnten bis zu 20 Brutpaare dieser Art gezählt werden.

Gastvögel

Ganzjährig können eine Reihe von Vogelarten im Großen Garten beobachtet werden, die in der Stadt Dresden bzw. deren Umgebung brüten und den Park zur Nahrungssuche aufsuchen. Dies trifft zum Beispiel auf Graureiher (Ardea cinere), Sperber (Accipiter nisus) und Mauersegler zu. In den letzten 15 Jahren wurden im Zusammenhang mit der Sanierung der Wohnanlagen um den Großen Garten sehr viele Nistkästen für Mauersegler und Turmfalke angelegt, die auch sehr gut angenommen wurden.

Außerhalb der Brutzeit dienen die Gewässer des Großen Gartens als Rastgewässer für verschiedene Wasservogelarten. Neben den regelmäßig rastenden Arten wie Reiher– (Aythya fuligula) und Tafelente (Aythya ferina) konnten auch Spießente (Anas acuta), Moorente (Aythya nyroca) und Samtente (Melanitta fusca) nachgewiesen werden. Während das Blässhuhn (Fulica atra) regelmäßig anzutreffen ist, halten sich Teichhühner (Gallinula chloropus) nur selten im Großen Garten auf. Ein Brutversuch im Jahr 2003 blieb ohne Erfolg. Hingegen finden jährlich ein bis zwei Bruten auf dem Gelände des Zoologischen Gartens statt.

Limikolen treten nur sehr selten im Großen Garten auf. Die häufigste Art ist der Flußuferläufer (Actitis hypoleucos), des Weiteren konnten Dunkler Wasserläufer (Tringa erythropus) und Waldschnepfe (Scolopax rusticola) nachgewiesen werden.

In den Wintermonaten sammeln sich in den Abendstunden mehrere Hundert Saatkrähen (Corvus frugilegus) und Dohlen (Corvus monedula) auf dem Flug zu den Schlafplätzen über bzw. im Großen Garten. Die Schlafplätze befinden sich zum Teil in der Innenstadt.

Beobachtungsmöglichkeiten
Für einen Beobachtungsspaziergang sind alle Teile des Großen Gartens zu empfehlen. Besonders entlang des Gewässernetzes bieten sich vielfältige Beobachtungsmöglichkeiten. Die ideale Beobachtungszeit sind die Morgenstunden. Ein Fernglas ist ausreichend.

Der eichenreiche Altbaumbestand an der Hauptallee im Bereich der Kanäle und am Neuteich bietet die besten Chancen, einen Mittelspecht zu beobachten. Die mit Stauden und Büschen bestandenen Flächen um das Palais beherbergen zur Brutzeit sehr viele Finken- und Zweigsängerarten.

Ebenfalls lohnt sich ein Abstecher in den „Botanischen Garten“ sowie in den „Zoo Dresden“. In der „Tundra-Anlage“ und den Singvogelvolieren können seltene einheimische und europäische Vogelarten beobachtet werden. Neben verschiedenen Limikolenarten (u.a. Triel, Großer Brachvogel, Regenbrachvogel, Steinwälzer), Entenarten (u.a. Krickente, Bergente, Eiderente) werden auch ausgewählte Singvogelarten (u.a. Wiedehopf, Bienenfresser, Rosenstar, Ortolan) gezeigt.

Der Beitrag wurde von Jakob Reif verfasst, der auch gern interessante Beobachtungen aus dem Großen Garten entgegen nimmt.