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MarioGreif
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„Rabenschwarze Intelligenz – Was wir von Krähen lernen können“

„Wer mag sie schon, die Raben und Krähen?“ - beginnt der Autor Prof. Dr. Josef H. Reichholf die Einstimmung zum Anliegen dieses Buches.
Bereits die 4. Auflage innerhalb des Jahres 2009 dürfte das Interesse am Thema und an diesem Buch zeigen!
Liebevoll nennt J. H. Reichholf seine Rabenvögel die „Schwarzfedrigen“ und beginnt mit der Vorstellung ihrer Intelligenz.
Wir Menschen halten uns für intelligent. Das ist wohl im Großen und Ganzen richtig, auch wenn die menschliche Intelligenz häufig genug sehr zu wünschen übrig lässt.
Sicher ist, dass wir Menschen die Intelligenz nicht für uns alleine reservieren können.
Sehr amüsant bringt uns der Autor zum eigentlichen Anliegen des Buches indem er sehr kurzweilig Zitate aus seiner täglichen Umwelt einbaut. So z. B. das Telefonat mit der Frage: “Gehören nun die Krähen, Herr Doktor, zum Raubzeug oder zu den Singvögeln? …“
Er stellt dem Leser die Rabenvögel in einer Kurzcharakteristik vor und nennt ihre nahen Verwandten. „Warum also sind die Krähen schwarz?“ Solche und weitere Fragen werden in diesem Buch beantwortet.
Wer selbst eine Dohle oder andere Rabenarten aufgezogen hat, lernt diese Vögel lieben und liebevoll hassen, kann sich mit dem Kapitel „Die Rabenkrähe Tommy“ über den Einstieg in ein gemeinsames Leben mit Rabenvögeln orientieren oder vorbereiten. Nur sollten die bis in die 1950-iger Jahre bestehenden Annahmen, einfach eine Jungdohle aus dem Nest eines Kirchturms zu nehmen, nicht gerade den Leser auffordern dieses auch zu tun.
Die Vermenschlichung, vor der ganz zu Recht gewarnt wird, beginnt nicht erst bei der Betrachtung und Deutung von Lebensäußerungen der Tiere, sondern viel früher schon. Das Leben beim Menschen wird von vornherein entweder abgelehnt, weil nicht „artgerecht“, oder für besser gehalten, „weil die Natur grausam ist“. So beschreibt J. H. Reichholf die „Nachgedanken zu Tommy“ treffend.
Selbst die „Regulierungsversuche von Landkrähen“ beschreibt der Autor einen groß angelegten Freilandversuch, dass sich nicht einmal die intensivste Bekämpfung von Raubwild und Raubzeug zugunsten des Niederwildes lohnt. Anderseits blieb offen, ob die Vernichtung von 2.242 Rabenkrähen, Elstern und Eichelhähern auf nur 700 Hektar und 174 Hermelinen dazu den Singvögeln zugute gekommen ist.
Der Streit ist alt und heftig. Die Positionen gehen weit auseinander. Die Meinungen liegen fest. Sie lassen wenig Raum für Kompromisse. Krähen und Elstern holen regelmäßig Eier und Jungvögel aus den Nestern der Singvögel oder fangen und fressen frisch ausgeflogene Junge, die sich nicht schnell genug ins schützende Dickicht retten können. Zu sehen bekommt man den „Singvogelmord“ in der Stadt viel häufiger als in Wald und Flur.
Das sind Kurzbeschreibungen und Darstellungen im Buch, wie sie täglich von der Bevölkerung, sofern sie Rabenvögel beachtet, wahrgenommen und interpretiert werden.
Nun beginnt der „Rabenvogelprofessor“ mit dem Kapitel „Intelligenz der Krähenvögel“ und beginnt diesen größeren Abschnitt des Buches mit den „Nusskrähen“. Dahinter verbirgt sich bereits für den interessierten Leser ein Phänomen, welches man in seinem eigenen Lebensumfeld mit etwas Glück und Ausdauer auch selbst beobachten kann, ohne nicht vorher im Buch die Beispiele dazu gelesen zu haben. Dies erleichtert einem die Interpretation der eigenen Beobachtungen.
„Rabenschwarze Intelligenz weltweit“ rundet die Beobachtungen und Beschreibungen der Intelligenz der schwarzen Gesellen ab. Diese wird durch die Nutzung von Drahtkleiderbügeln, zum Nestbau durch Dschungelkrähen in Japan, bis zur Werkzeugherstellung als besondere Intelligenzleistung von neukaledonischen Krähen abschließend beschrieben.
Die „Rabenmythen“ stellen letztendlich den Schluss des Buches zusammen bei dem „Hugin“ und „Munin“ die bekannten Kolkraben, der nordischen Mythologie, u. a. genannt werden.
Das Buch wird immer wieder aufgelockert durch die Abbildungen von „Hans Huckebein“ nach Wilhelm Busch und erinnern an die eigene Kindheit.
Es soll nach Meinung von J. H. Reichholf offenbar viele Menschen berühren; vor allem solche, die sich mit frei lebenden Tieren und mit dem von Voreingenommenheiten und Intoleranz geprägten Verhältnis zu ihnen befassen.
Ein zu empfehlendes „rabenschwarzes“ Buch über unsere gefiederten „schlauen“ Freunde - nicht nur für Ornithologen!

Mario Greif

„Rabenschwarze Intelligenz – Was wir von Krähen lernen können“
J.H. Reichholf
4. Auflage Juli 2009
Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München
ISBN: 978-3-7766-2600-1
Miniaturansicht angehängter Grafiken: rabenschwarze itel.jpg
22.12.2009 19:37
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