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MarioGreif
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„Grundkurs Vogelbestimmung – Eine Einführung zur Beobachtung und Bestimmung unserer heimischen Vögel“

Die bekannten Ornithologen Christoph Moning und Thomas Griesohn-Pflieger sowie Michael Horn brachten kurz vor Weihnachten diesen kleinen und handlichen Feldführer auf den Markt deutschsprachiger Vogelbücher.
Dieser müsste eigentlich bei vielen Kindern und Jugendlichen sowie älteren Anfängern mit auf den Gabentisch gelegt werden.
Ein sehr kurzweiliges Bändchen gibt alle Grundlagen für den Einstieg in die herrliche Welt der Ornithologie - oder eben einfach gesagt in die Vogelbestimmung.
Die Einleitung zum Thema Vögel und Vogelbeobachtung macht schon den Reiz auf das, was noch später in dem kleinen Führer kommt. Es wird dem „Neuen“ die Angst genommen nicht zu verzagen und immer Weiteres noch dazu zu lernen sowie auch den „Alten“ etwas in den Bestimmungen speziellerer Arten bald voraus zu sein.
Wie geht man einfach an das Hobby, welches später zum Beruf, zur Wissenschaft oder Fanatismus führen kann, heran?
Die Grundausrüstung eines Vogelbeobachters wird sehr unterhaltsam, genau und treffend besprochen und an detaillierten Beispielen erläutert. Nicht die größten Ferngläser bringen die besten Beobachtungen! Selbst der erfahrene Ornithologe kann bei der falschen Handhabung von Spezialoptik, bei diversen internationalen Vogelmessen beobachtet werden, wie er mit dieser nicht klar kommt, da er nicht die Grundregeln zur Einstellung eines Fernglases beherrscht!
Die Literaturempfehlungen zu den speziellen Feldführern ist gerafft zusammengefasst, hier sollte die zweite Auflage (!) von Haymann/Hume „Die Vögel Europas“, wegen dem schlechten Farbdruck der Bildtafeln, nicht empfohlen werden! (Die erste Auflage war ein sehr guter Feldführer.)
Selbst die Bekleidung, weitere Ausrüstung und die Verpflegung wird als spezieller Teil erklärt! Die auffälligen, knallig bunten Wettersachen sollten eher bei Exkursionen zu Hause bleiben, das musste ich ebenfalls immer wieder bei geführten Veranstaltungen negativ miterleben.
Sehr schön wird schrittweise auf die Begeisterung, in der Buchbeschreibung hingearbeitet, in der Natur Vögel zu beobachten und natürlich richtig zu bestimmen. Die allumfassenden Kenntnisse lernt der „neue“ Beobachter nur durch die Übungen, selbst erlebte und gesammelte Erfahrungen, Wiederholungen und lehrreiche Erklärungen von bereits „Fortgeschrittenen“! Es helfen keinem Anfänger altkluge Sprüche oder Bemerkungen von den „alten“ Ornithologen.
Die Einführung in die typischen und erstmal häufigen mitteleuropäischen Vogelfamilien und ihre Vertreter ist entsprechend der neuen Systematik aufgebaut. Sehr schön detailliert und verständlich aufbereitet. Die Mischung aus Farbfotos und Farbtafeln lockert die Bestimmungshilfe auf, jedoch gibt es bereits einige Farbtafeln in einer besseren Qualität der Feindarstellung der einzelnen Merkmale. In der alt bewehrten Art des Klassikers von R. Peterson wird durch die Strichmarkierung genau auf die Einzelmerkmale zur besseren Bestimmung der Arten oder unterschiedlichen Alterskleider hingewiesen. Dies nutzen sehr gern Kinder und Jugendliche und haben bald durch die schnellere Aufnahme dieser Merkmale den „Grundkurs“ für die einheimischen Vogelarten inne.
Kritisch anzumerken ist manche Formulierung des kleinen Bändchens innerhalb der Textpassagen. „Im Gegensatz zu Großbritannien sind die Vogelfreunde in Deutschland nur sehr wenig organisiert…“ – sicherlich wurden hier die Mitgliedszahlen vom LBV, NABU, HGON, ABBO und VSO - um nur einige zu nennen - nicht beachtet?!
„Genussornithologie“ in Ehren, aber bei einem Einführungskurs, der gerade auch für Kinder und Jugendliche bestimmt sein sollte, gehört das Bier nicht auf das Bild (S. 21) beim Thema Literatur und Medien!
Leider haben die Verfasser zwanzig Jahre nach einem gemeinsamen Deutschland für Ornithologen und Naturschützer immer noch nicht gemerkt, dass auf der S. 121 das alte grünweiße Naturschutz“vorfahrts“schild mit dem nordamerikanischen Weißkopfseeadler nicht mehr das Aushängeschild für den Naturschutz, wie es in der Überschrift angekündigt wird, steht, sondern unser gelbschwarzes Schild mit der Eule als Schutzsymbol für die Natur!
Beim ersten Durchschauen der Bildunterschriften fehlte auf der S. 136 der „Höckerschwan“, man bedenke es soll ein Grundkurs sein! Weiterhin fand ich auf der S. 276 eine „Schwazkopfmöwe“, die aber bei den folgenden Fotos wieder richtig als Schwarzkopfmöwe bezeichnet wurde.
Sehr lehrreich sind die Abbildungen und ihre Beschreibungen zu den Limikolen und Möwen angefertigt, die manch erfahrener Vogelfreund unbedingt wieder zur Hand nehmen sollte.
Ein kleiner und handlicher Einstiegsführer für alle Vogelbegeisterten, die sich intensiver mit der Vogelbeobachtung beschäftigen wollen, ist unbedingt als Grundkurs zu empfehlen!

Mario Greif


„Grundkurs Vogelbestimmung
Eine Einführung zur Beobachtung und Bestimmung
unserer heimischen Vögel“
Moning/ Griesohn-Pflieger/ Horn
2010
Quelle & Meyer
ISBN: 978-3-494-01416-6
Miniaturansicht angehängter Grafiken: grundkurs vogelbestimmung.jpg
22.12.2009 19:34
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