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ffischer
Beiträge: 3
Ich freue mich immer über Post vom Verein, aber diesmal mischte sich nach der Lektüre des Inhaltes Ärger dazu.
In der Tüte war das Rundschreiben 34/2011 mit einer Fülle von Informationen aus 2007 und 2008 - eine gewaltige Fleißarbeit! Glückwunsch den Verfassern!
Und dann die Broschüre "Vögel in Deutschland 2010" - was für ein Kontrast! Wenig konkrete Informationen, bürokratisches Vokabular, pseudowissenschaftlicher Stil. Nur eine paar schöne Fotos. Und als ich dann las, dass dieses Werk bzw. seine Struktur von über 18000 (!) Delegierten zwei Wochen lang in Japan ausbaldowert wurde, schlug meine Ratlosigkeit in Ärger um. Ich halte diese Broschüre für Geldverschwendung: für Ornithologen ist der Inhalt trivial, für Laien langweilig und uninteressant. (Und ich ahne eine noch weit größere Geldverschwendung in den Ämtern hinter der Broschüre.) Ich frage mich, wem diese Schrift nützt? Dafür sollten wir jedenfalls keine Vereinsmittel ausgeben. Haben wir wohl auch nicht. Aber der Steuerzahler in mir ist dennoch verärgert.
Kann jemand meine Gedanken nachvollziehen oder ernte ich Widerspruch?
Frank Fischer
13.06.2011 17:22
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Patrick
Von: Leipzig
Beiträge: 162
Hallo Frank,

nachdem ich heute auch mein entsprechendes Paeckchen im Postkasten
hatte, moechte ich doch noch mal kurz Deinen Eintrag kommentieren.

A.
Deine Aussage das "seine Struktur [des Heftes] von über 18000 (!)
Delegierten zwei Wochen lang in Japan ausbaldowert wurde" ist nicht
zutreffend. Vielmehr wird ja mit dem Heft versucht, das aufzubereiten
was u.a. bei solchen Kongressen kommuniziert oder beschlossen wird
(seit einigen Ausgaben).

Da drei offizielle Träger dieses Heft veröffentlichen, davon ein Ministerium,
ist mit einen entsprechenden sprachlichen Duktus zu rechnen. Fuer jederman
verstaendlich zu machen, was in der Politik entschieden wird ist eine mglw
nicht ganz einfache Aufgabe, dafuer allerdings erscheint mir das Heft durchaus
konkret und aussagekraeftig. Ich jedenfalls erkenne was Entscheidungstraeger
in der Bundesrepublik tun wollen um negative Veraenderungen in der Vogelwelt
zu bekaempfen.
Allzu unmittelbares zu erwarten scheint mir dabei verfehlt. Das macht doch
Politik aus - ob einem das passt oder nicht!?

Ich verstehe deshalb Deine Kritik nicht ganz. Moeglicherweise sind Deine
Erwartungen eher im Bereich des bodenstaendigen oder unmittelbaren
verankert, etwas was von umfangreichen Untersuchungen, Analysen und
Konzeptionen fuer grosse Zeitraeume einfach nicht zu erwarten ist.

Beste Gruesse, Patrick

P.S.: apropos unmittelbar, mich nervt eher das ich im Jahr 2011 noch soviel
verbrauchte "Rohstoffe" (Erdöl, Papier) ins Haus geschickt bekomme - bin
mir aber im klaren darueber das nicht jedes Mitglied sein individuelles
Wunschpaeckchen zusammenstellen kann, das Hartmut dann noch persoenlich
signiert :-)
15.06.2011 17:07
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ffischer
Beiträge: 3
Hallo Patrick, danke für deine Antwort; leider habe ich sonst niemanden aus der Reserve locken können.
Ich habe mir das Heft inzwischen nochmal zu Gemüte geführt und fand doch noch paar interessante Informationen zu bemerkenswerten Brutvorkommen 2010.
Was mich hauptsächlich geärgert hat war die Info über den Massenausflug nach Japan "für einen guten Zweck". Ich finde es scheinheilig, den Klimawandel und die Übernutzung der Ökosysteme zu beklagen, selbst aber exzessiv Energie und Ressourcen für solch eine Aktion zu verbrauchen. Dabei kann man heute Informationen umweltfreundlich via Internet austauschen. Viele Politiker und Funktionäre quatschen von Nachhaltigkeit und tun offenbar das Gegeneil.
Das Heftchen kommt mir vor wie der Versuch einer Rechtfertigung dieses Treibens. In meinen Augen ist dieser Versuch misslungen.
Viele Grüße
Frank
19.06.2011 14:49
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Hartmut Meyer (Hartmut_Meyer)
VSO-Administrator
Von: Hohenstein-Ernstthal, Deutschland
Beiträge: 96
Hallo Frank,
ich bin am gestrigen Sonntag erst spät abends aus Norditalien von der diesjährigen Monticola-Tagung zurückgekommen. Daher konntest Du … mich (vielleicht?) auch bisher nicht aus der Reserve locken, weil ich Deinen Eintrag eben erst gestern spät abends lesen konnte.

In der Tat, er sollte nicht widersprochen bleiben, was ich hier versuchen möchte:
In gewisser Weise verstehe ich Dich, dennoch glaube ich, dass Du das Anliegen von „Vögel in Deutschland“ (ViD) nicht ganz korrekt erfasst hast. ViD soll weiß Gott nicht den gestandenen Feldornithologe (Kartierer, Monitoring-Mitarbeiter usw.) beeindrucken (dazu sind diese verkürzten Status-Darstellungen nun wirklich nicht gedacht), sondern ViD ist erstmals ein breites „umweltpolitisches Instrument“ der organsierten Vogelschutzverbände ganz Deutschlands! Erstmals versorgt die organisierte Vogelkunde im Lande die verantwortliche Politik kurz und teils drastisch mit Informationen über den aktuellen (und bedrohlichen) Zustand unserer Vogelwelt. Das hat es vorher - so - noch nie gegeben, was oft bedauert wurde! Erstmals wird sozusagen politischen Entscheidungsträgern in einer Sprache, die sie verstehen können, hinter der aber höchst seriöse und belastbare Daten aus den gut aufgestellten Monitoringprogrammen des DDA und seiner Mitgliedsverbände stehen, die dramatische Situation … z.B. der Vögel der Agrarlandschaft ... vor Augen geführt! Welcher Nicht-Vogelkundler nimmt Fachdaten aus einer noch so guten Landesavifauna zur Kenntnis - und könnte sie für sich und seine Arbeit je interpretieren?

Daher ist ViD tatsächlich keine Geldverschwendung, sondern hat sich – im Gegenteil - in den vergangenen drei Jahren zu einer äußerst wichtigen Argumentationshilfe entwickelt, und findet entsprechende Beachtung. Wann (und wie?) konnte der Vogelschutz in Deutschland jemals seine dringenden Probleme auf einer landesweiten Pressekonferenz in Berlin, noch dazu gemeinsam mit einer Spitzenvertreterin einer der wichtigsten Umweltbehörden im Lande, zu Gehör bringen?

Und mal ehrlich, es ist nun wirklich keine Ermessensfrage oder Entscheidung der deutschen Vogelschutzvereine, ob und wo die internationale Politik und mit wie vielen Teilnehmern eine Konferenz abhält oder nicht … Daher finde ich Deine kritischen Anmerkungen dazu verständlich, aber hier ein wenig deplatziert (hingegen wirst Du sicher für Dich persönlich bei der nächsten politischen Wahl eine entsprechende Entscheidung treffen).

Und abschließend noch eine weitere Anmerkung. Ganz sicher muss jeder Einzelne von uns (und ich schließe mich da ausdrücklich mit ein), an der einen oder anderen Stelle an seinem - eigenen - Umweltbewusstsein arbeiten. Aber, zurück in die Anfänge der Menschheit, als diese sich nur zu Fuß bewegte und – umweltfreundlich(?) – von Mund zu Mund kommunizierte, können wir nun mal nicht. Das müssen wir auch zur Kenntnis nehmen. Und in einem so großem Verein wie unserem mit heute knapp 800 Mitgliedern muss kommuniziert werden. Das ist eine Grundvoraussetzung! Und wenn die Mitgliedschaft, wie bei uns, von 15 bis 85 Jahre alt ist, dann können wir heutzutage gern auf die gesamte Palette der neuen Möglichkeiten, die über Twitter, Facebook und das Internet mit pdf-Dokumenten reicht, zurückgreifen, müssen aber zwingend auch noch die gedruckten Dokumente zur Verfügung stellen. Das geht bei niemanden grundsätzlich anders. Wenn jemand modern und umweltbewusst mit der Zeit geht, dann, so denke ich, kann der VSO für sich in Anspruch nehmen!

Vielen Dank aber auch für das Lob zum Rundschreiben 34 mit dem Doppelbericht. In der Tat, eine gewaltige Fleißarbeit, für die der Vorstand unseren beteiligten Vereinsfreunden auch schon ein „dickes“ Dankeschön übermittelt hat!

Viele Grüße
Hartmut Meyer
20.06.2011 14:57
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ffischer
Beiträge: 3
Hallo Hartmut,
komme gerade aus der benachbarten Kiesgrube, wo die jungen Uhus jetzt auf Wanderschaft gehen.
danke für Deine ausführliche Antwort - offenbar ist ViD 2010 also doch für irgendwen von Nutzen.
Ich habe die ViD-Hefte der letzten Jahre nochmal rausgesucht. Ich stellte fest, dass diese (2007 und 2009) noch einen anderen Charakter hatten als ViD 2010. Diese Hefte fand ich durchaus interessant und informativ. Da gabs nix zu meckern.
ViD 2010 wirkt auf mich nicht - so wie Du schreibst - wie eine Information für Politiker, sondern eher wie das Werk von (Umwelt)Politikern. Deshalb vermutlich meine allergische Reaktion!
Und natürlich meine ich nicht, dass Gedrucktes nicht mehr zeitgemäß wäre. Wie gesagt, ich freue mich immer über Post vom Verein :-)

Beste Grüße
Frank Fischer
24.06.2011 23:46
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