"Five shades of grey" - Die Krähenhybridzone

Die Krähenhybridzone in Sachsen nach Meise 1928

Eine häufige Form der Entstehung von Arten ist die allopatrische Artbildung, bei der Populationen einer Art über einen längeren Zeitraum räumlich getrennt werden (z.B. durch Eiszeiten) und sich auseinander entwickeln. Wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder in Kontakt kommen, muss die Trennung aber noch nicht komplett sein, so dass sich die zwei Taxa kreuzen können und fertile Nachkommen erzeugen. Dadurch kommt es im Kontaktbereich der Taxa zur Herausbildung einer Hybridzone. Hybridzonen gilt besondere Aufmerksamkeit durch Evolutionsbiologen da sie Einblicke in die Prozesse und Mechanismen der frühen Artbildung ermöglichen. Eine besonders auffällige Hybridzone verläuft quer durch Mitteleuropa und entsteht durch die Kreuzung zwischen der westlich verbreiteten Rabenkrähe und der östlichen Nebelkrähe. Aufgrund ihrer guten phänotypischen Erkennbarkeit und der weiten Verbreitung der Krähen wurde ihr schon frühzeitig Aufmerksamkeit geschenkt. Aus dem Jahr 1928 datiert eine detaillierte Untersuchung von W. Meise, in der er unter anderem die Lage der Hybridzone in vielen Teilen von Deutschland (und Europa) behandelt. In jüngerer Zeit wurde die Hybridzone in mehreren Regionen kleinräumig untersucht (Piccozi 1976, Saino 1992, Haas 2005). Es fehlt eine aktuelle detaillierte Studie über einen größeren geografischen Raum. Mit ornitho.de haben wir inzwischen ein komfortables und präzises Hilfmittel für eine solche Erfassung bekommen. Die Plattform wird von sehr vielen Ornithologen genutzt, bietet die Möglichkeit der Eingabe von Beobachtungen nicht angemeldeter Ornithologen (Meldung aus zweiter Hand) und ermöglicht eine schnelle Rückkopplung. Bei einer guten Beteiligung mit entsprechender räumlicher Auflösung lassen sich so etliche wissenschaftliche Fragestellungen bearbeiten. Z.B.:

- Breite der Hybridzone in Abhängigkeit der Landschaftsräume
- Hybridisierungsgrad in Abhängigkeit der Habitate
- Partnerwahl unter realen Bedingungen
- Veränderungen der Lage der Hybridzone im Vergleich zu historischen lokalen Erfassungen
- getrennte Bestandstrends für Raben- und Nebelkrähe (im Zusammenhang mit dem MhB)

Wichtige Punkte bei der Freilanderfasssung zur Vermeidung von systematischen Fehlern

- Es sollen alle erkannten Krähenpaare (auch Paare aus zwei reinen Vögeln) notiert werden. Keinesfalls sollten nur Paare erfasst werden, die in der jeweiligen Region außergewöhnlich sind (z.B. ein Paar mit einer Nebelkrähe weit westlich der Hybridzone).
- Für die Auswertung ist es hilfreich, bei Mehrfacherfassungen desselben Paares im Laufe der Saison im Bemerkungsfeld auf frühere Meldungen zu verweisen (z.B.: „selbes Revier wie die zwei Futtersuchenden am 12.3.“ oder „selbes Revier wie Permalink http://…“).

Relativ komfortabel und schnell funktioniert die Erfassung der Revierpaare im zeitigen Frühjahr (Mitte Februar bis Laubaustrieb). Die Paare verlassen dann kaum noch ihr Revier und sind viel paarweise unterwegs. Dadurch kann man sie gut gleichzeitig z.B. bei der Nahrungssuche auf dem Feld bestimmen und hat das Revier auch ohne Kenntnis des Nestes auf wenige hundert Meter genau eingegrenzt. Wenn das Nest gefunden werden kann ist das natürlich trotzdem der genauste Nachweis. Bei Angaben zu Nestern ist es evtl. sinnvoll diese Meldungen zu schützen da Rabenvögel nicht nur Freunde haben. Wie die Situation vor Ort ist können die Melder aber vermutlich am besten einschätzen.

Anleitung zur Erfassung der Krähenpaare

Kurzanleitung Erfassung der Krähenpaare Kurzanleitung Erfassung der Krähenpaare (170,2 kB)