Dresdener auf dem Dach der Welt – 100 Jahre Biodiversitätsforschung in Tibet

04.09.2015 20:47

Teilnehmer Tibetexkursion 1913

Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Stötzner’schen Tibet-Expedition zeigen die Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden in Zusammenarbeit mit der Erwin-Stresemann Gesellschaft ab September eine Sonderausstellung im Japanischen Palais. Die Ausstellung wird am 04. September 2015 eröffnet und bis zum 28.03.2016 zu sehen sein. Einen besonderen Schwerpunkt nimmt die Artenvielfalt der Vögel im Himalaya und auf dem Plateau ein, sowie die wissenschaftlichen Arbeiten an Hugo Weigolds Vogelsammlung. Kostbarkeiten tibetischer Kulturgegenstände steuert das Museum für Völkerkunde Dresden bei.

Das Dach der Welt fasziniert Naturforscher und Reisende durch seine Extreme und Gegensätze. Auf etwa 2 Millionen Quadratkilometern und durchschnittlich 4500 Metern Höhe erstreckt sich das Tibetische Hochland mit Hochgebirgsteppen und kargen Felslandschaften. An seiner Süd- und Ostflanke beherbergen die Gebirgswälder des Himalaya und Chinas die größte regionale Biodiversität der Nordhalbkugel. Eine Dresdener Expedition unter der Leitung des Völkerkundlers Walther Stötzner bereiste 1913 bis 1915 erstmal das noch „unerforschte Tibet“. Von dieser Reise brachte der Ornithologe Hugo Weigold mehrere tausend Vogelbälge mit an das Dresdener Museum. Weigolds eigene Forschungen waren fortan der ornithologischen Systematik unter biogeographischen Aspekten gewidmet. Nach Weigolds Tod veröffentlichte der Verein Sächsischer Ornithologen im Jahr 2005 Weigolds umfassende Monographie zur Biogeographie Tibets.

Heute blicken die Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden auf hundert Jahre Biodiversitätsforschung an chinesischen Vögeln zurück. Viele asiatische Vogelarten wie der Omei-Laubsänger oder die Spitzschuppentimalie wurden in Dresden erstmals wissenschaftlich beschrieben, ihre Verbreitung erstmalig kartographisch erfasst. Seit dem Jahr 1960 gibt das Dresdener Museum den Stresemann-Atlas der Verbreitung paläarktischer Vögel heraus, zunächst gemeinsam mit der Sowjetischen und später mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Hundert Jahre nach Beginn der Stötzner-Expedition, reisten Dresdener Wissenschaftler 2013 erneut im Rahmen eines durch die DFG geförderten Projekts an den Ostrand des Tibetplateaus. Die Sonderausstellung „Tibet – 100 Jahre Naturforschung auf dem Dach der Welt“ widmet sich verschiedenen zentralen Forschungsthemen und zeigt einen Einblick in die Artenvielfalt asiatischer Vögel.

Dr. Martin Päckert/Dr. Markus Ritz  

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