Bericht zum Sommerkolloquium "25 Jahre VSO 1990 bis 2015"

01.09.2016 12:56

Verabschiedung der vier ehem. VSO-Vorstände

Was auf der Jahresversammlung im März in Bad Elster noch widrige Umstände verhindert hatten, konnte nun nachgeholt werden: Die vier ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Stephan Ernst, Kai Gedeon, Hartmut Meyer und Jens Voigt wurden mit dem gebührenden Dank in den "Ruhestand" verabschiedet. Den feierlichen Rahmen dafür bildete das Museum der Westlausitz in Kamenz, wo bei tropischem Wetter 60 Gäste durch Olaf Zinke als Gastgeber und Markus Ritz als 1. Vorsitzenden begrüßt werden konnten.

Im ersten Vortrag beleuchtete Dirk Tolkmitt die Entwicklung des Vereins in den letzten 25 Jahren. Nicht nur die absolute Zahl an Mitgliedern ist bis 2015 stetig gestiegen, auch in Relation zur Bevölkerungszahl des jeweiligen Bundeslandes belegt der VSO unter den angrenzenden Landesverbänden mit 20 Mitgliedern pro 100.000 Einwohner den Spitzenplatz. Als Gründe dafür können neben zahlreichen Veranstaltungen (Jahrestagungen, Fachseminare, Sommertreffen, VSO-Reisen) auch außergewöhnliche Leistungen im Bereich der Publikationen ausgemacht werden. So sind die Mitteilungen des Vereins in mehr als 5.400 Druckseiten erschienen, daneben gab es so erfolgreiche Schriften wie die Artenhilfsprogramme mit Auflagen im Tausenderbereich. Diese messbaren Erfolge beruhen nicht zuletzt auf dem langjährigen Engagement der vier ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder, wie der Redner mit teils launigen Worten illustrierte.

Im Anschluss sprang Eberhard Flöter für den verhinderten Oldrich Bušek ein und berichtete über die Ergebnisse der Brutvogelerfassungen in der Stadt Chemnitz seit den 1970er Jahren. Während die Artenbilanz durchaus ausgeglichen ist, also Aussterbe- und Einwanderungsprozesse sich in etwa die Waage halten, zeigt doch der Gesamtbrutbestand aller Arten einen deutlich negativen Trend. An den vorhandenen Daten lassen sich sehr anschaulich Tendenzen wie die Verdrängung der Elster durch die Rabenkrähe demonstrieren. Aber es gibt auch positive Überraschungen, etwa die rezente Besiedlung des Schlossteichs durch die Reiherente mit einem Bestandsmaximum von mehr als 10 Brutpaaren.  

Winfried Nachtigall lieferte einen Überblick über die aktuellen Programme zur Erfassung des Brutbestandes und der Zugpopulation von Greifvogelarten. Vom 1988 gegründeten Monitoring der Greifvögel und Eulen Europas zog er Entwicklungslinien in die Gegenwart und würdigte die besonderen Verdienste von Kai Gedeon um die Etablierung von Erfassungsprogrammen für Greifvögel in Deutschland. Aktuell ist zu vermelden, dass gerade die großen Greifvogelarten erheblich von Naturschutzmaßnahmen profitieren, so erreicht etwa der Seeadler die deutschlandweit höchste Siedlungsdichte in Teilen der Oberlausitz.

Mit der Dohle, dem bevorzugten Studienobjekt von Jens Voigt, befasste sich der Vortrag von Klaus Schmidt. Seit den 1970er Jahren sammelt er im Südwesten Thüringens brutbiologische Daten und beringt systematisch Jungvögel, seit den frühen 1990er Jahren verstärkt auch mit Farbringen. Durch die Anbringung von Nistkästen konnte der Bestand deutlich erhöht werden. Gerade die aus der Farbberingung resultierende große Anzahl an Rückmeldungen erlaubt die Erstellung detaillierter Biografien einzelner Vögel, so dass Fragen wie Partnertreue oder Lebensbruterfolg betrachtet werden können. Deutlich wurde in seinen Ausführungen, dass es eminent wichtig ist, immer wieder mit den Grundeigentümern einvernehmlich nach Kompromissen bei der Schaffung bzw. Erhaltung von Brutplätzen zu suchen. 

Den Abschluss des Vortragsblocks bildete der Beitrag von Michael Hörenz zum Sperber im Oberlausitzer Bergland. Aus einer langjährigen Befassung mit der Art resultiert ein beeindruckender Datenfundus, so liegen Angaben zur Baumart für mehr als 1.000 verschiedene Horste vor. Anhand zahlreicher Fotografien konnte der Redner zudem Aspekte wie die Alters- oder Individualerkennung demonstrieren. Im Oberlausitzer Bergland wird damit in Fortsetzung der Arbeiten von Uttendörfer, Kramer, Knobloch u.a. seit nunmehr beinahe 100 Jahren intensiv an der Art geforscht.

Nach einer Mittagspause im schönen Garten des Museums ging es auf eine Exkursion um den Biehlaer Großteich. Sachkundig geführt durch Winfried Nachtigall konnten die Teilnehmer einen Eindruck vom Natura 2000-Gebiet gewinnen, wenn auch die ornithologische Ausbeute witterungsbedingt eher mager ausfiel. Dohle, Sperber und sonstige Lieblingsvögel aktueller oder ehemaliger Vorstandsmitgliedern kamen nicht zur Beobachtung.

Dr. Dirk Tolkmitt

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