Vogelschutz im Siedlungsbereich wichtiger denn je: Brutbestände des Vogels des Jahres 2012 rückläufig

05.02.2012 17:23

Fachtagung Vogelschutz am Bau und zur Dohle, Vogel des Jahres 2012, in glanzvollem Rahmen im Stadtvereordnetensaal im Rathaus von Chemnitz. Foto: R. Francke
Tagung Vogelschutz am Bau

Rund 90 Interessenten und Experten für das Thema Vogelschutz am Bau trafen sich gestern (04.02.) im Stadtverordnetensaal im Rathaus von Chemnitz, um Erfahrungen zum Thema Schutz von Gebäude bewohnenden Vogelarten auszutauschen. Jens Börner, Sprecher des wiss. Beirates des VSO, der in der sächsischen Großstadt Chemnitz seit rund 20 Jahren diesbezügliche Artenhilfsprogramme leitet, hatte fast genau 15 Jahre nach einer ersten derartigen Fachtagung wieder in die sächsische Großstadt eingeladen.

Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister der Stadt Chemnitz, Herrn Miko Runkel, bot Dr. Kai Gedeon, erster Vorsitzender des VSO und zugleich Vorsitzender der Stiftung Vogelmonitoring Deutschland einen ersten Blick auf die aktuelle Verbreitungskarte der Dohle, Vogel des Jahres 2012, für Deutschland, die Ende 2012 im ADEBAR-Atlas erscheinen wird. Die lückige Verbreitung der Art bzw. das vollständige Fehlen in weiten Teilen Ostdeutschlands konnten als eindringliches Alarmsignal wahrgenommen werden. Die nachfolgenden Vorträge und Erfahrungsberichte ließen erkennen, dass die Brutbestände der Dohle in vielen Untersuchungsgebieten rückläufig sind und auch die Anzahl flügger Jungvögel teils drastisch abnimmt, was auf Nahrungsmangel zur Brutzeit, ein offenbar neues Problem, hinweist. So musste auch Jens Börner für Chemnitz feststellen, dass einige kleinere Dohlenkolonien in der Innenstadt bereits ganz erloschen sind bzw. immer häufiger unterernährte Jungvögel festgestellt werden. Weitere Vorträge beschäftigen sich mit dem Schutz des Mauerseglers. So berichteten Ornithologen aus dem benachbarten Tschechien über ihr recht erfolgreich laufendes Programm in der „Goldenen Stadt“ Prag zur Schaffung von Nisthilfen in der historischen Altstadt, aus der sich die Art vor einigen Jahren infolge von Nistplatzmangel durch Gebäudesanierung komplett zurückgezogen hatte.  Sven Trautmann vom DDA aus Münster stellte Ergebnisse aus den Monitoringprogrammen zur Bestandsentwicklung häufiger Brutvogel im Siedlungsbereich vor. Auch hier war eine negative Entwicklung insbesondere bei Offenbrütern nicht zu übersehen. Heiko Haupt sprach am Beispiel der Stadt Bonn über die Lichtverschmutzung in Großstädten, die erheblichen Einfluss auf den Vogelzug hat.

Einen ausführlichen Bericht über diese für den Vogelschutz im Siedlungsbereich wichtige Fachtagung, die in Kooperation mit der Stadt Chemnitz durchgeführt wurde, wird es im nächsten VSO-Rundschreiben Nummer 35 geben.

Hartmut Meyer
Geschäftsführer

Foto Anlage: Die Referenten der Fachtung Vogelschutz am Bau und zur Dohle (Vogel des Jahres 2012) von li. nach re.: Sven Trautmann (DDA, Münster), Dr. Jan Schimkat (NSI Dresden), Lukas Viktora (CSO, Prag), Jens Voigt (VSO), Marion Lehnert (NSI Dresden), Heiko Haupt (Bonn), Klaus Schmidt (VSO), Dr. Christoph Unger (UNB Hildburghausen), Frank Urban (VSO), Gastgeber Jens Börner (VSO) und Dr. Hans-Ulrich Peter (Uni Jena). Foto: R. Francke.

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