Turmfalken sterben erneut in den Schlingen von Bindegarn aus der Landwirtschaft

01.09.2012 18:17

Tödlich ans Nest gefesselt: Junger Turmfalke festhängend in Bindegarn.
Turmfalke im Bindegarn hängend

Über landwirtschaftliches Bindegarn - das über den Kreislauf Stroh-Mist auf die Felder gelangt - als gefährliche Falle für Greifvögel haben wir an dieser Stelle schon mehrfach berichtet. Insbesondere Askrähen als Nestbereiter für Baum- und Turmfalken tragen diesen schlecht bis gar nicht verrottenden Abfall zur Auspolsterung in ihre Nester ein, was nachnutzenden Falken oft zum Verhängnis wird. Allein im Chemnitzer Land und im Landkreis Zwickau mussten in den vergangenen Jahren mindestens viermal junge Baum- und Turmfalken aus solchen Fußschlingen aus Nestern auf Energietrassen von Stromversorgern und der Deutschen Bahn AG befreit werden. Immer ein aufwendiger Prozess, der über die Landkreisbehörden hin zu den Energieversorgern organisiert werden muss und mit Abschaltungen ganzer Trassen einhergeht.

So auch wieder am Donnerstag (30.08.) bei Meerane im Landkreis Zwickau. Aus einer sehr späten Turmfalkenbrut konnte ein Jungvogel nicht ausfliegen, weil er sich hoffnungslos im Bindegarn verfangen hatte. Besonders tragisch der Umstand, dass sich der männliche Altvogel dieses Turmfalken-Paares schon während der Brutzeit im Bindegarn an seinem Nest erhängt hatte und seit Wochen tot darunter im Wind schaukelte. Der Jungfalke konnte am Donnerstag mit Hilfe der Bahn AG befreit werden. Allerdings war der Vogel, der bereits seit mind. zwei Wochen flügge festhing und offenbar vom noch anwesenden Weibchen weiter versorgt worden war, so schwer am Brustbein und an einem Bein verletzt, so dass diese Hilfe dennoch zu spät kam.

Wir rufen unsere Vogelkundler auf im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Kontakte, bei Landwirten einen sachgerechten Umgang mit Bindegarn anzumahnen. Bekanntlicherweise sterben nicht nur Vögel sondern auch verschiedene andere Wildtiere in diesen achtlos aus der industrialisierten Landwirtschaft in die Natur gelangenden Abfällen.

Hartmut Meyer
Geschäftsführer

Fotos 2 und 3: Ein bereits toter Altvogel unter der Nest hängend - für den jungen Turmfalke kam leider jede Hilfe zu spät. Er verendete am Boden an seinen schweren Verletzungen. Fotos: Jens Hering

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