Protestpostkartenaktion gegen die Jagd auf Vögel in Sachsen findet breite Unterstützung und läuft weiter

18.05.2014 09:34

Antwort an Staatsminister Kupfer als offener Brief

Titel Prostestpostkarte gegen die Vogeljagd in Sachsen
Protestpostkarte

Die im Rahmen unserer 52. Jahresversammlung und Sächsischen Ornithologentagung Anfang April 2014 in Geithain gestartete Protestpostkartenaktion gegen die anhaltende Freizeitjagd auf Vögel hat in der Zwischenzeit Unterstützung auch außerhalb unseres Vereins gefunden. So hat z.B. der Landesverein Sächsischer Heimatschutz (LVSH)  kürzlich einer vereinsweiten Aussendung an alle seine Mitglieder diese Postkarte beigelegt. In Zeiten dramatischen Artenschwundes und Biodiversitätsverlust ungeahnten Ausmaßes positionieren wir uns nochmals klar gegen die anhaltende Freizeit- und Hobbyjagd auf Vögel, auch wenn und gerade weil dies heute noch durch (biologisch und ökologisch) überholte Jagdgesetze erlaubt ist. In Sachsen wurde die Zahl jagdbarer Vogelarten sogar erhöht. Wurden 1991/92 nur vier Vogelarten bejagt, sind es heute schon vierzehn! Aktuell diskutiert man in Dresden erneut z.B. über die Ausweitung der Jagd auf den Graureiher. Und dass es in Mitteleuropa sogar ganz ohne Jagd geht beweist der Schweizer Kanton Genf, wo bereits vor 40 Jahren per Volksentscheid die Jagd komplett abgeschafft wurde (Anhang)!

Wir fordern in unserer Protestaktion den zuständigen Staatsminister Frank Kupfer in Dresden auf, die Jagd auf Vögel als nicht mehr zeitgemäß zu beenden. Es gibt heute keinen vernünftigen Grund mehr, Vögel zu bejagen. Die Protestpostkarte kann bei der VSO-Geschäftsstelle kostenfrei (gegen Portoerstattung) bezogen werden (info@vso-web.de).

In der Zwischenzeit erhielten wir von Herrn Kupfer ein Schreiben auf unsere Aktion. Sie können seine Antwort im Anhang nachlesen. Auch wenn wir wissen, dass wir ihn in seiner konservativen Denkweise eher nicht umstimmen können, haben wir einige wenige unserer Argumente nochmals in einer kurzen Antwort als „offenen Brief“ (der dem Staatsminister vorliegt) verfasst (nachfolgend):
   

Sehr geehrter Herr Staatsminister Kupfer,
für Ihr Schreiben vom 05.05.2014 auf unsere Protestpostkartenaktion „Zum Sterben schön?“ danken wir Ihnen. Ihre Erwiderung, das werden Sie möglicherweise ahnen, erfüllt uns allerdings nicht mit Zufriedenheit. Sie ist einer längst überholten Denkweise verhaftet, die dem Stand der 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts entspricht. In Zeiten zunehmenden globalen Artensterbens und einem Biodiversitätsverlust nie dagewesenen Ausmaßes - wir dürfen hier vielleicht auch daran erinnern, dass Deutschland seine selbst gesteckten Ziele, das Artensterben bis 2010 zu stoppen, krachend verfehlt hat -, verbietet es sich eigentlich von selbst, die Jagd noch öffentlich als „vernünftigen Grund zum Töten von Tieren …“ zu bezeichnen, auch wenn das gesetzeskonform ist. Zugvögel wie nordische Gänse, für deren Schutz andere europäische Länder erhebliche Geldmittel aufwenden und die zusammen mit den Kranichen im Herbst das letzten große Naturschauspiel „Massen-Vogelzug“ darstellen, werden in Sachsen nach wie vor geschossen und verfolgt. Angesichts dessen von „erlegtem Federwild, das zum überwiegenden Teil als wertvolles Lebensmittel vermarktet wurde …“ zu sprechen, ist schon, sehr geehrter Herr Minister, äußerst peinlich!

Ihr Parteifreund und Präsident des sächsischen Landtages, Herr Dr. Matthias Rößler, wird bereits am 18.05.2011(!) in der SZ Dresden mit den Worten zitiert: „Der gestiefelte Kater hätte heute große Probleme, für seinen Herrn, den Grafen, die Rebhühner für die königliche Tafel zu beschaffen.“ Da lag Herr Rößler schon 2011 völlig richtig, nur hat sich die Situation in der Zwischenzeit nochmals verschärft. Heute müsste sich der sächsische König seine Rebhühner aus einer Mastanlage aus Frankreich … kommen lassen, weil sie in seinen Revieren, auch und vor allem wegen Ihrer verfehlten Landwirtschaftspolitik zugunsten großer Agrarkonzerne, bis auf winzige Restbestände ausgestorben sind und demnächst komplett zu verschwinden drohen. 

Wir können Sie deshalb nur nochmals aufrufen: Ändern Sie Ihre Einstellung zur Bewahrung von Arten und Lebensräumen! Und im konkreten Fall: Setzten Sie ein Zeichen. Stoppen Sie die Vogeljagd in Sachsen, statt immer wieder Diskussionen über weiteren Abschüsse (aktuell: Graureiher) zuzulassen!  Beenden Sie Ihren Jagdlobbyismus für eine kleine Gruppe zugunsten einer wachsenden Bevölkerungsschicht, die sich an den heutigen Restbeständen der sächsischen Vogelwelt erfreuen und diese in Ruhe und ohne Jagdbeeinträchtigung genießen möchte. Nehmen Sie bitte auch zur Kenntnis, dass es positive Beispiele in unserer unmittelbaren Nachbarschaft z.B. in der Schweiz gibt, wo im Kanton Genf bereits vor 40 Jahren per Volksentscheid die Jagd nicht nur auf Vögel, sondern sogar grundsätzlich abgeschafft wurde und  sich heute die gesamte Fauna ungestört (und schadensfrei) den Menschen zur Erholung und Umweltbildung präsentiert (Anlage).

Schließen Sie sich für Sachsen den Initiativen anderer Bundesländern (z.B. Baden-Württemberg) an, wo man derzeit versucht, muffige Jagdgesetze, die in ihren Grundzügen und in ihrer Terminologie rund 80 Jahre alt sind, anerkannten Grundsätzen der modernen Ökologie und dem aktuellem Zustand der Umwelt anzupassen!

Bis dahin, sehr geehrter Herr Staatsminister Kupfer, werden wir Sie gern weiter mit unseren Protestpostkarten daran erinnern, dass Sie als Umwelt- und Landwirtschaftsminister auch eine Verantwortung gegenüber allen Menschen in Sachsen haben und nicht nur für einige herausgehobene Privilegierte zuständig sind. Ihre Antwortschreiben fordert geradezu die anhaltende Notwendigkeit zivilen Protests heraus!

Mit freundlichen Grüßen

Der Vorstand des Vereins Sächsischer Ornithologen

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