Brandenburger Störaktionen in Kormoran-Kolonien rechtswidrig – NABU gewinnt Kormoran-Klage

30.08.2011 20:15

Diese Foto als andauernde Mahnung gegen menschliche Dummheit! Foto: Archiv.
Geschossene Nestlinge

Wer erinnert sich nicht mehr an die traurigen Bilder toter Kormoran-Nestlinge aus dem Jahr 2008 im Anklamer Stadtbruch? Diese eindeutigen Dokumente menschlicher Unzulänglichkeit lösten Entsetzen und geradezu eine Protestwelle unter Vogel- und Naturschützern im ganzen Lande aus.

Doch das Landesumwelt Brandenburg genehmigte auf Antrag der Landesfischereibehörde weitere Störaktionen in drei Kormoran-Kolonien, allesamt in SPA-Gebieten liegend. Jetzt hat das Verwaltungsgericht Potsdam einer Klage des NABU Brandenburg stattgegeben und diese Störaktionen als rechtswidrig beurteilt. Das Gericht stellte zweifelsfrei klar, das gegen geltendes Naturschutzrecht verstoßen wurde. Weiterhin wurde richterlich festgestellt, dass das Landesumweltamt in rechtlich unzulässiger Weise an den Landesfischereiverband eine pauschale Genehmigung erteilt habe. Es sei völlig unklar, ob und wenn ja welchem Fischer oder Teichwirtschaft die klagegegenständlichen Maßnahmen helfen könnten, heißt es im Urteil weiter. Seitens des Vogel- und Naturschutzes wurde nie bestritten, dass es an Teichwirtschaften Schäden durch den Kormoran geben kann. Doch ist das Töten und Vergrämen des Kormorans an natürlichen Gewässern nicht nur aus Natur- und Tierschutzgründen abzulehnen, denn ein Einfluss des Kormorans auf Fischreierträge an natürlichen Gewässern ist nicht nachgewiesen. Für Brandenburg z.B. ist belegt, dass die Aalbestände bereits vor dem Häufigerwerden des Kormorans abnahmen.

In Sachsen, wo der Kormoran mittels staatlicher Verordnung verfolgt werden darf,  polemisieren die Hobby-Angler indes ungehemmt weiter über den „Schutz des chinesisches Kormorans“ und stufen den europäischen Kormoran als ungebetenen Gast aus China und als umweltpolitischen Skandal der EU ein. In der vereinseigenen Mitgliederschrift finden sich regelmäßig Artikel deren Ziel es sein dürfte, mit mehr als zweifelhaften Aussagen Hass gegen einen unliebsamen Konkurrenten zu sähen, statt sich auch hier für einen Konsens einzusetzen, der auch außerhalb der Hobbyangler-Lobby gesamt-gesellschaftliche Zustimmung fände.

Hartmut Meyer
Geschäftsführer

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