Menschliche Unvernunft zerstört Lebensräume für heimische Vogelwelt - Deutsche Schüler europaweit mit schlechtesten naturwissenschaftlichen Kenntnissen

16.06.2010 17:57

Aufklärung der Bevölkerung und Werbung für den Vogelschutz wichtige Aufgaben

Unglaublich: Schilfvernichtung zur Brutzeit auf 450 m Länge. Mindestens 6-8 BP Teichrohrsänger verloren ihren Lebensraum. Foto: privat
Scilfvernichtung zur Brutzeit!

Auch in diesem Frühjahr wurden aus Unvernunft und Unwissenheit sowie Unvermögen mancher Behörde wichtige Lebensräume für die heimische Vogelwelt zerstört! Hier nur einige ganz aktuelle Beispiele aus dem Umfeld der VSO-Geschäftsstelle: Eine kommunale AB-Maßnahme schneidet eine Feldhecken-Reihe auf ein Minimum zurück, wenige Tage vor Ankunft der Neuntöter, die dort brüten. Im verschnittenen Bereich Totalausfall der Bruten, wie sich jetzt zeigt ... Mitten in der Brutzeit muss ein großes verwildertes Grundstück mit Vegetation dem Bau eines Einkaufsmarktes weichen, obwohl die Straßenanbindung zum zukünftigen Markt noch völlig ungeklärt ist. Nach Fällung der Baum- und Strauchschicht genau dieses Grundstückes ruhen die Bauarbeiten seit Wochen ... An einem Stausee im (trockenen und schilfarmen) Erzgebirgsvorland lässt eine Stadtverwaltung auf 450 m Länge und 1,30 Meter Breite Schilf (geschütztes Biotop!) mähen, um eine Bootsregatta für die Besucher besser einsehbar zu machen. Und das Anfang Juni, mitten in der Brutzeit Schilf bewohnender Vogelarten! Von der gleichen Verwaltung wurde sogar der Einsatz des Monsanto-Totalherbizid „Roundup", das laut einer Studie franz. Wissenschaftler menschliche Zellen vermeintlich bereits in niedriger Konzentration schädigt, gegen das Schilf ernsthaft in Erwägung gezogen. Und das in einem Angel- und Sportgewässer ...

 

In diesem Kontext stellen sich Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie, wonach deutsche Schüler im europaweiten Vergleich am schlechten in Naturwissenschaften abschneiden, in einem ganz anderen Licht dar. Deutsche Schulkinder würden angeblich denken, dass ein Huhn am Tag sechs Eier lege und die Kuh die Schokolade produziere. Solche erschreckenden Wissenslücken wiederum decken sich mit zahllosen Anrufen in der VSO-Geschäftsstelle, bei denen sich Menschen z.B. über die singende Kohlmeise im Nachbargarten und über lärmende Spatzen am eigenen Haus beschweren, diese sofort 'entfernen lassen' wollen (usw.).  

 

Welches Verständnis darf man von jenen erwachsenen Menschen (vielleicht später als Entscheidungsträger in einer Behörde?) erwarten, denen schon in der Schulzeit jegliche Zusammenhänge im jährlichen Ablauf (Reproduktionszeit von Fauna und Flora) in der Natur völlig fremd und wohl auch absolut egal sind?

 

Aufklärung der Bevölkerung und Werbung für den Vogelschutz, auch wenn das Syssiphus-Arbeit ist, dürfte notwendiger denn je sein!

 

Hartmut Meyer

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