Lachmöwen-Brutkolonie an den Limbacher Teichen wichtiger Indikator für den Zustand der Landschaft

08.04.2012 10:55

Karte der Wiederfunde junger Lachmöwen aus der Limbacher Brutkolonie. Foto: D. Kronbach
Limbacher Wiederfunde

Seit 2001 gibt es die Lachmöwen-Brutkolonie an den Limbacher Teichen bei Chemnitz. In diesem Frühjahr haben wieder rund 200 Brutpaare ihre Nester auf der Insel im Großen Teich gebaut. Neben einer weiteren Kolonie im NSG „Großhartmannsdorfer Teiche“ bei Brand-Erbisdorf  und einigen Brutpaaren am Sammelbecken Helmsdorf bei Zwickau ist diese Kolonie die einzige regelmäßige im ansonsten sehr gewässerarmen Ergebirgischen Becken. Betreut wird die Kolonie in diesem Europäischen Vogelschutzgebiet (SPA) von unseren Vereinsmitgliedern Jens Hering und Dieter Kronbach, die sich nicht nur um die wiss. Beringung der Jungvögel kümmern, sondern die auch in jedem Jahr die Pflege der Brutinsel übernehmen. Welche herausragende Bedeutung der Lachmöwe in diesem kleinen Ökosystem zukommt, zeigt sich an den Limbacher Teichen ganz deutlich. Erst im Zuge der Lachmöwenansiedlung konnten Bruten des bedrohten Schwarzhalstauchers nachgewiesen werden, der bekanntlich den Schutz von Möwenkolonien bevorzugt, ebenso wie Höckerschwan, Haubentaucher, Reiher- und Tafelenten. Jedes Frühjahr in diesen Tagen balzen Schwarzkopfmöwen in der Kolonie und lassen die Hoffnung zu, dass auch diese seltene Art irgendwann brütet. 

Dieter Kronbach hat kürzlich die Wiederfunde aus den jährlichen Beringungen der Jungvögel in der Kolonie ausgewertet. Die Limbacher Lachmöwen ziehen demnach nach der Brutzeit bis nach Großbritannien, Belgien, Frankreich, Holland, Österreich und Tschechien. Im weitesten Falle unternahm eine junge Lachmöwe einen 1.500 Kilometer langen Flug bis an die irische Atlantikküste.

Während es wohl für die meisten Menschen ein besonderes Naturerlebnis darstellt, am Ufer des Großen Teiches dem Treiben der Lachmöwen zuzusehen und ihre Stimmen zu hören, fühlen sich einige Menschen davon belästigt und beschweren sich. Ja sogar Anfeindungen müssen Jens Hering und Dieter Kronbach erleben. Wie abgestumpft müssen Menschen sein die so empfinden, die Straßenlärm dem wenige Monate andauernden Stimmen der Möwen, die den Frühling symbolisieren, bevorzugen? Um in der Öffentlichkeit immer wieder für die wenigen verbliebenen Naturschönheiten zu werben, wurde kürzlich in einer großen Tageszeitung zwischen Chemnitz und Zwickau über die Kolonie und deren Bedeutung berichtet. Der Beitrag ist hier als pdf beigefügt.

Hartmut Meyer
Geschäftsführer

Foto 2: Lachmöwe mit Kennring aus der Limbacher Kolonie; abgelesen/fotografiert am 12.02.2012 in Prag: Foto: J. Prochazka
pdf: Presseartikel zur Lachmöwenkolonie an den Limbacher Teichen

Zurück