Vogelsterben oder Panikmache - droht unseren gefiederten Freunden nach der Vogelgrippe die nächste Epidemie?

20.10.2011 13:41

Erst bei einer Amsel wurde das Virus nachgewiesen, doch Boulevardmedien warnen bereits vor den Vögeln ...

Amsel-Männchen. Foto: Andreas Kretschel
Amsel-Männchen. Foto: A. Kretschel

In den Medien häufen sich in diesen Tagen Meldungen zu einem Amselsterben in Süddeutschland. In Internet-Foren und Mailinglisten wird heftig darüber diskutiert. Auch beim VSO gingen bereits erste Anfragen von besorgten Sachsen ein. Allerdings gibt es im Freistaat Sachsen im Moment keinerlei Hinweise darauf, dass irgendwo vermehrt Amseln tot aufgefunden werden. Zur Versachlichung der lokalen Ereignisse, die von Boulevardmedien offenbar schon wieder zur Panikmache genutzt werden, nachfolgend die offizielle Erklärung vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) vom 16.09.2011:

(DDA). In Südwestdeutschland, insbesondere im Rhein-Neckar-Raum, häufen sich die Berichte über ein möglicherweise grassierendes Amselsterben. Grundlage sind v.a. bei Naturschutzverbänden wie dem NABU eingegangene Meldungen besorgter Bürger, die vom „Verschwinden“ der einst in ihrer Nachbarschaft so häufigen Amsel berichten. In Hessen wurde nun laut Onlineausgabe des „Spiegel“ bei einer toten Amsel das durch Stechmücken übertragene Usutu-Virus nachgewiesen, ein dem West-Nil-Virus verwandter Krankheitserreger, der bei Vögeln zum Tod führen kann. Berichte von einem drohenden Vogelsterben erscheinen zum jetzigen Zeitpunkt jedoch überzogen, zumal bisher nichts von einer auffälligen Häufung von Totfunden bekannt ist. Dennoch ist im Spiegel-Artikel vom „drohenden Vogelsterben in Deutschland“ die Rede, auf Bild.de heißt es bereits „Nach Massensterben von Vögeln in Deutschland: Usutu-Virus auch für Menschen gefährlich“. Tatsächlich erscheint diese Aussage im doppelten Sinn sehr weit hergeholt, da nicht nur der Nachweis des „Massensterbens“ aussteht. Auch ist das Virus zwar für Menschen ansteckend, aber es äußert sich gewöhnlich in den Symptomen Fieber, Kopfschmerzen oder Hautausschlag und zeigt oft gar keine Symptome.

Nun hat sich auch das rheinland-pfälzische „Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten“ in die Debatte eingeschaltet. In einer Erklärung heißt es, bis dato sei nur eine tote Amsel beim Landesuntersuchungsamt eingegangen. Es lägen bisher auch keine Hinweise für ein massenhaftes Amselsterben vor, Vorsichtsmaßnahmen würden aber getroffen und die Situation im Auge behalten. Zudem wird in der Pressemitteilung darauf verwiesen, dass das Virus seit 2001 in Europa bekannt ist. In Österreich trat es wohl zuerst auf und wurde dort auch in seiner Ausbreitung überwacht. In einem wissenschaftlichen Artikel über das Usutu-Monitoring wurde gezeigt, dass zwischen 2003 und 2005 107 von 504 toten Vögeln eine Infektion zeigten, es handelte sich ausnahmslos um Amseln. Der Bericht kommt aufgrund der stark abnehmenden Zahl von Todesfällen (2005 nur noch 4 Vögel) und einer wachsenden Anzahl Vögel mit geringem Virusbefall zu der Schlussfolgerung, dass die Vögel Immunität entwickelt hätten. Insofern sei auch vor diesem Hintergrund vor allzu großer Panikmache gewarnt ... www.dda-web.de.

(VSO/18.09.11). Mittlerweile erreichen auch unsere Geschäftsstelle täglich (teils mehrmals) Anrufe besorgter Vogelfreunde aus Sachsen, die ihre Erlebnisse und ihre Ängste mitteilen. Die meisten Anfragen betrafen aber bis heute einzelne tote Amseln am Straßenrand oder in unmittelbarer Nähe, die Kollisionen mit Straßenfahrzeugen zuzuordnen sind. Das Fehlen der Amseln in manchen Gärten im Moment ist ebenfalls natürlich und darauf zurückzuführen, dass sich die Vögel im Moment bevorzugt an nahrungsreichen Plätzen, z.B. mit vielen Beerensträuchern,  sammeln und dort wiederum in größerer Anzahl zu beobachten sind. Außerdem findet jetzt im Herbst ein Austausch in den Beständen statt. Einige Amseln wandern aus ihren Brutgebieten ab, wieder andere wandern zu. Im Oktober sollten sich dann die Winterbestände eingependelt haben.

Wir danken allen Vogelfreunden für ihre Aufmerksamkeit. Bitte helfen Sie uns auch mit einer Spende! Unser Verein funktioniert ausschließlich ehrenamtlich und jede Spende kommt unserer Vereinsarbeit für den Vogelschutz in Sachsen zugute! Unser Spendenkonto Verein Sächsischer Ornithologen: Konto Nummer 3634 000 804, BLZ 870 500 00 bei der Sparkasse Chemnitz. Grund: Spende für Vereinsarbeit. Bei Mitteilung ihrer Anschrift (an Email: info@vso-web.de) erhalten Spender (ab 50,00 €) eine schriftliche Spendenbestätigung.

Hartmut Meyer
Geschäftsführer

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