Sachsen wird in diesen Stunden erneut von Hochwasserkatastrophe heimgesucht - Rastflächen für durchziehende Limicolen entstehen

07.08.2010 21:57

Die Mulde bei Waldenburg am 07.08.10: Hochwasser bis an den Fuß der B 175. Foto: H. Meyer
Hochwasser an der Mulde am 07.08.10

Der Freistaat Sachsen erlebt in diesen Stunden wieder eine Hochwasserkatastrophe. Nach den enormen Niederschlägen in den vergangenen 24 Stunden - am Erzgebirgsnordrand in der Region um Chemnitz fielen mehr als 70 Liter Regen auf den Quadratmeter - sind die Pegelstände vieler Flüsse in den Flusssystemen der Mulde sowie auch in Ostsachsen und an der Elbe dramatisch angestiegen. Zwar sind die Ausmaße der Katastrophe im Bereich der Zwickauer Mulde glücklicherweise nicht mit der von 2002 zu vergleichen, aber mit jedem Zentimeter Wasser wächst auch der Ärger betroffener Anwohner, wie am frühen Abend heute (07.08.) z.B. am der Zwickauer Mulde in Ortslage Wolkenburg im Kreis Zwickau zu vernehmen war. Wortfetzen wie „die haben nichts gelernt aus der Katastrophe von 2002 ...." und „jetzt müssten wirklich mal einige eingesperrt werden ..." flogen dem Vorbeigehenden aus überschwemmten Hausgrundstücken entgegen.

 

Veröffentlichungen zufolge hat der Freistaat Sachsen seit 2002 Millionen Steuergelder in den Hochwasserschutz investiert, von denen allerdings so einige, wie sich in diesen Stunden zeigt, wirkungslos von der Wasserkraft weggespült werden ... Statt den Flüssen bei Hochwasser die Kraft zu nehmen und die Wassermassen durch den an zahlreichen Stellen möglichen Rückbau der Deiche (z.B. entlang der Zwickauer Mulde im Erzgebirgischen Becken) - wie offenbar von Experten seit Jahren immer wieder gefordert - in die Flussauen auslaufen zu lassen, kann in diesen Stunden live beobachtet werden, wie die mit gigantischem Aufwand gebauten Uferbefestigungen aus großen Steinen fortgespült werden ... Wann endlich werden die Zuständigen feststellen, dass der Schutz des Gemeinwohls und des Eigentums vieler traditioneller Flußanlieger vor die Interessen einzelner Landwirtschaftsbetriebe in den Flußauen zu stellen ist und damit zugleich auch ein echter Beitrag für eine artenreiche, naturnahe Flussaue geleistet werden könnte?

 

Für die jetzt durchziehenden Wasserläufer hingegen kommt dieses Hochwasser einem Segen gleich. Rechtzeitig zum einsetzenden Limicolenzug entstehen Wasser- und Feuchtflächen auf Feldern und entlang der sächsischen Flüsse. Wie Einträge von heute im „Forum" zeigen lohnt es sich, diese Flächen jetzt mit Fernglas und Spektiv aufzusuchen. Es ist „Odinshühnchen-Zeit", sozusagen!

 

Hartmut Meyer

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