Filmreife Mornellregenpfeifer-Beobachtung bei Exkursion ins Zwickauer Land geglückt

04.09.2012 13:42

Was rastende Mornells mögen oder nicht, erläutert Jens Halbauer (li. auf Bank) der Exursionsgruppe. Foto: H. Meyer
Mornell-Suche im Zwickauer Land

Die Morgensonne sog gerade die letzten Reste schon herbstlichen Bodennebels auf, da traf die VSO-Exkursionsgruppe am vergangenen Sonntag (02.09.) auf der Suche nach rastenden Mornellregenpfeifern Charadrius morinellus in der Feldflur um Werdau im Zwickauer Land und im Grenzbereich zum thüringischen Landkreis Greiz ein. Jens Halbauer, lokaler Exkursionsführer und vertraut mit der gesuchten Art als Durchzügler, erläutert von erhöhter Stelle aus, was seiner Erfahrung nach die rastende Limicole bevorzugt, wo man suchen muss und wo nicht, da fliegt – wirklich schon filmreif – wenige Minuten später ein Mornell rufend mehrfach niedrig über die Exkursionsgruppe und landet dann hinter der nächsten Kuppe in der Feldlur. Die Freude über diese gelungene Beobachtung war bei allen Teilnehmern groß, besonders aber auch bei Jens Halbauer, der in diesem Spätsommer nach einer einzigen Beobachtung Mitte August trotz vieler Beobachtungsstunden bisher keinen weiteren Mornell mehr nachweisen konnte.

Im Anschluss an den Feldflur-Exkursionsteil wurde die Gruppe von der Wismut AG in Dänkritz zur Besichtung des avifaunistischen Ersatzgewässers Dänkritz II erwartet. Die Herren Speer und Köhler vom Unternehmen stellten die bisherigen Baumaßnahmen, die seit 2011 laufen, vor und erläuterten bei einem Rundgang den geplanten Endzustand. Bekanntlich soll dieses künstliche Gewässer in einigen Jahren das in Jahrzehnten entstandene Absetzbecken Dänkritz, ein für die Wasservogelwelt im Landkreis Zwickau herausragendes Biotop, vollständig ersetzen. Durch die insbesondere politisch gewollte Sanierung von mehr oder weniger belasteten Wismut-Altstandorten wird das Absetzbecken leider unwiederbringlich verschwinden. In einem Konsens konnte in der Planungsphase zumindest erreicht werden, dass zuerst ein Ersatz geschaffen wird, der mehr oder weniger „funktionieren“ muss, bevor der Altstandort verschwindet.

Im Ersatzgewässer, in dem das angepflanzte Schilf schon recht gut Fuß gefasst hatte, konnten einige Limicolen wie Grünschenkel und Waldwasserläufer sowie ein diesjähriger Schwarzstorch beobachtet werden. Im Randbereich dieser Tagebaufolgelandschaft fütterte noch eine späte Schwarzkehlchen-Brut eben flügge Jungvögel. Und auch die Insektenkenner unter den Exkursionsteilnehmern kamen voll auf ihre Kosten. Von der Wärme liebenden (südliche Art), in Sachsen nur sporadisch auftretenden Frühen Heidelibelle Sympetrum fonscolombii wurden massenhaft frisch geschlüpfte Tiere im Gewässerumfeld gefunden. Und mit der Sumpf-Heidelibelle Sympetrum depressiusculum wurde sogar noch eine Art festgestellt, die nach der Roten Liste in Sachsen als stark gefährdet (2) gilt und nur aus der Oberlausitz bekannt ist (Marko Olias mndl.)

Der Geschäftsführung/Öffentlichkeitsarbeit der Wismut AG und insbesondere den Herren Speer und Mirko Köhler, die geduldig viele Fragen, auch kritische, beantworteten, danken wir für die Möglichkeit, dieses ansonsten unzugängliche Gebiet in einem aktiven Betriebsgelände besichtigen zu dürfen. Auch den Herren Hering und Schaarschmidt von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Zwickau gilt unser Dank für vorbereitende Vermittlungen. Und schließlich bedanken wir uns bei unserem Vereinsfreund Jens Halbauer aus Werdau, der als einziger Ornithologe in Sachsen seit Jahren aktiv den Durchzug des seltenen Mornells verfolgt und dokumentiert, und daher diese gezielte Exkursion überhaupt erst ermöglichte.

Hartmut Meyer
Geschäftsführer

Fotos im Anhang
1) Überblick über das avifaun. Ersatzgewässer Dänkritz II. Foto 2012: Jens Hering
2) Die Herren Mirko Köhler (li.) und Speer (mi) von der Wismut AG bei ihren Erläuterungen. Jens Halbauer (re.)
3) und 4) Rundgang im Wismut-Gelände (Fotos: Hartmut Meyer)
5) rastendender Mornellregenpfeifer im Zwickauer Land (aus den Vorjahren). Foto: Jens Halbauer

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