Bundesamt für Naturschutz warnt: In 20 Jahren mehr als eine Million Feldlerchen verstummt!

11.08.2012 11:50

Landwirtschaftspolitik der EU muss schnell und umfassend naturverträglicher werden

Die Haubenlerche hat Sachsen ebenfalls weitgehend geräumt. Dieser heute äußerst seltene Anblick gelang Wolfgang Köcher im Februar 2012 bei Grimma. Foto: W. Köcher
Rarität: Haubenlerchen in Sachsen

Dass das in der Agrarlandschaft einst weit verbreitete Rebhuhn auch in Sachsen kurz vor dem Aussterben steht, ist traurige Wahrheit. Die Kiebitz-Brutpopulationen gehen weiter dramatisch zurück und die Siedlungsdichten der Feldlerche, ein früherer Millionen-Vogel, haben sich nahezu halbiert. Der jetzt beginnende Wegzug wird dieses Dilemma wieder deutlich sichtbar machen. Konnten noch vor 20 Jahren Zentausende Kiebitze von August bis Oktober in Sachsen rastend beobachtet werden, sind diese Zugtrupps auf kaum noch wahrnehmbare Ansammlungen zusammengeschrumpft, fehlen vielerort mittlerweile sogar völlig. Zogen an günstigen Tagen im späten September und im Oktober allenthalben große Trupps von Feldlerchen rasch hintereinander ins Winterquartier, ist der Himmel heute bereits weitgehend leer. Diese Aufzählungen ließen sich leider fortsetzen.

Für Rebhuhn, Kiebitz und Feldlerche gibt es im Freistaat Sachsen seit wenigen Jahren ein so genanntes Boderbrüterprojekt. Hier werden ausgewählte Probeflächen in der Agrarlandschaft in der Fortpflanzungszeit der Vögel zeitweise aus der Bewirtschaftung heraus genommen, um den genannten Arten zu helfen. Auch wenn der Ansatz in die richtige Richtung geht: Die Ergebnisse auf den Kleinflächen sind bescheiden und stellen daher im Moment nicht mehr als einen Tropfen auf dem heißen Stein dar.

Ende Juli hat sich die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Frau Prof. Dr. Beate Jessel, mittels einer drastisch formulierten Presseerklärung zu diesem Artensterben in der Agrarlandschaft an die Öffentlichkeit gewandt. Grundlage für die Fakten waren insbesondere die jahrelangen Daten aus den Monitoring-Programmen des DDA (alt und neu), in die auch zahlreiche sächsische Probeflächen integriert waren und sind. Eine solch drastisch formulierte Erklärung (Anhang) einer Bundesbehörde an die deutsche Öffentlichkeit und Politik ist unserer Meinung nach einzigartig und mehr als ein echtes Alarmsignal!

Hartmut Meyer
Geschäftsführer

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