Bekassine als Brutvogel in Sachsen nur durch Verbesserung des Wasserhaushalts und ausreichend großer Brutbiotope zu erhalten

24.09.2013 12:53

Teilnehmer des VSO-Fachseminars zur Bekassine, Vogel des Jahres 2013, in Oberwiesenthal. Foto: Mario Liebschner
Fachseminar zur Bekassine

Die Bekassine kann als Brutvogel in Sachsen offenbar nur erhalten werden, wenn die Art auch in der Zukunft noch ausreichend große, nicht verbuschte und mit entsprechend hohen Wasserständen ausgestatte Nassbereiche (Wiesen, Verlandungszonen usw.) vorfindet, wo stets mehrere Brutpaare siedeln können. Noch geeignete Kleinstbiotope werden von der Art auf Dauer aufgegeben. Das waren die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Fachseminar zur Bekassine, Vogel des Jahres 2013, zu dem unser Verein am 21. September nach Oberwiesenthal eingeladen hatte. Mehr als 60 Vereinsmitglieder und Gäste, von Torgau in Nordsachsen bis nach Südbrandenburg, waren der Einladung in das Panoramahotel Oberwiesenthal gefolgt. In verschiedenen Vorträgen wurde die Situation der Art in Sachsen und Deutschland dargestellt. Die Ergebnisse der letzten sächsischen Brutvogelkartierung wiesen vor ca. 10 Jahren noch bis zu 220 mögliche Brutpaare aus. Für Deutschland wird der Brutbestand der Art laut ADEBAR-Kartierung mit 5.500-8.000 Paare angegeben.

Für Sachsen muss eingeschätzt werden, dass der Bestand seit Ende des Kartierungszeitraumes weiter gesunken ist und aktuell wohl kaum mehr als 130 Brutpaare erwartet werden können. Gebiete über 700 m NN, der Erzgebirgskamm von Ost nach West, werden im Moment leider nur noch von ganz wenigen Brutpaaren besiedelt. Vorkommensschwerpunkte sind heute noch das NSG „Königsbrücker Heide“ und Teich- und Moorgebiete in der Oberlausitz.

Dr. Ulrich Mäck, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos, konnte in seinen Ausführungen auf Erfolge mit deutlicher Brutbestandssteigerung im schwäbischen Donausmoos verweisen, die auf nachhaltige Strukturverändungen (Entbuschung) und entsprechend hohe Wasserstände zurückzuführen waren. Auch im oberen Erzgebirge beschäftigt sich der Naturpark Erzgebirge-Vogtland mit dem Thema Wiedervernässung von Mooren, die aber zumeist in Waldgebieten liegen und das weitere Austrocknen bestimmter Regionen verhindern sollen. Hier zeichnen sich erste Erfolge ab, wie Anke Haupt vom Naturpark vorstellte. Von diesem Moorschutzprogramm (mit anderen wertgebenden Arten) können aber keine direkten positiven Auswirkungen auf die Bestandssituation der Bekassine abgeleitet werden.

Nicht erörtert werden konnten mögliche Auswirkungen auf die Art durch die anhaltende klimatische Veränderungen (zunehmende Austrocknung von Bruthabitaten) und die traurige Tatsache, dass heute noch jedes Jahr in Frankreich und Italien bis zu 480.000 Bekassinen geschossen werden!

Der Vorstand des VSO wird die Ergebnisse dieses Fachseminars nutzen, um effektivere Artenschutzmaßnahmen zu erreichen. Außerdem müssen die Forderungen, jegliche Jagd auf Zugvögel in Deutschland und anderswo in Europa aufgrund anhaltender Bestandsrückgänge bei ziehenden Vogelarten sofort einzustellen, wieder und wieder mit Nachdruck erneuert werden. Da die Europäische Ländergemeinschaft bedauerlicherweise noch nicht einmal in der Lage ist, ihre eigenen Gesetze zum Vogelschutz (EU-Vogelschutzrichtlinie) in Mitgliedsstaaten umzusetzen, können wir nur immer wieder dazu aufrufen, die Aktivitäten entsprechender Organisationen, wie die vom „Komitee gegen den Vogelmord“ (www.komitee.de), moralisch und mit Spenden zu unterstützen!

Hartmut Meyer
Geschäftsführer

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